Trailrunning macht glücklich – Ein Interview mit Sascha Hosennen

Trailrunning ist hoch im Kurs. BRACK.CH hat den Walliser Trailrunner Sascha Hosennen getroffen und ihm Fragen über Fragen zu seinem Hobby gestellt. Hier erzählt er von seiner Passion: «Es macht mich zu einem sehr glücklichen Menschen!»

Vor dem Interview sollten wir noch schnell klären, was Trailrunning bedeutet. Darunter versteht man – an dieser Stelle möchte ich doch auf die Definition von Wikipedia zurückgreifen – eine Art des Langstreckenlaufs, der nicht auf asphaltierten, planierten Strassen stattfindet. Folglich ein Geländelauf, aber halt weitaus länger als damals in der Grundschule.


 

Sascha Hosennen (37)

Aus Törbel, einem kleinen Walliser Bergdorf

Deputy Director bei Suvretta Sports, St. Moritz (GR)

Erster Trail Run: Gondo Doppelmarathon im 2009. Der Lauf gehört immer noch zu Saschas Lieblingswettkämpfen

Beste Ergebnisse:


BRACK.CH: Was ist die Trendsportart Trail Running überhaupt?

Sascha: Für mich ist Trail Running alles, was mit viel Abwechslung zu tun hat. Hoch, runter, mal einfache, mal technisch schwierige Wege. Je schmaler, verlassener und weiter weg vom Verkehr, desto besser.

Bergauf…: Sascha erkämpft sich seinen Weg zum Gipfel und Glück.

Deinen ersten Trail Wettkampf hast Du 2009 absolviert, seither trainierst Du regelmässig. Bist Du da einfach so reingerutscht oder wie bist Du zum Trail Running gekommen?

Das hat sich irgendwie über die Jahre einfach so ergeben. Durch den Fussball bin ich zum Laufen gekommen und habe dann angefangen, bei kleineren Läufen mitzumachen. Als ich die Fussballschuhe an den Nagel gehängt habe, wurden die Strecken immer länger und anspruchsvoller. So kam eines zum anderen, und irgendwann hat mich das Ganze einfach nicht mehr losgelassen.

Was bedeutet die Sportart für Dich und worin liegt ihre besondere Anziehungskraft?

Trail Running heisst für mich Lebensqualität. Es gibt mir Power, eine positive Lebenseinstellung und sorgt für den nötigen Ausgleich: Freiheit, Natur, Abwechslung und Entspannung. Und der Ultrasport ist in der Zwischenzeit zu meinem Lebensmittelpunkt geworden, um den sich sehr vieles dreht und mir alles gibt, was ich brauche.

Wie sieht ein ‹normaler› Trainingstag für Dich aus?

So etwas gibt es bei mir nicht. Jeder Tag sieht anders aus und wird anhand von Wetter, Zeit und körperlicher Verfassung extrem kurzfristig geplant. Oft ändere ich noch in der letzten Minute die Route. Neben dem Laufen verbringe ich unzählige Stunden auf dem Velo, während ich im Winter sehr gerne Langlaufen gehe und das Krafttraining darf natürlich auch nicht vernachlässigt werden.

Soweit ich das gesehen habe, ist das Training für einen «Ultra Trail»-Wettkampf ziemlich aufwendig. Wann beginnst Du mit der Vorbereitung auf einen solchen Lauf und was gilt es dabei alles zu beachten?

…bergab: Für das Laufen und Rennen in den Bergen ist es wichtig, gut ausgerüstet zu sein.

Gestartet wird in den Wintermonaten: Vom November bis im Februar/März lege ich das Augenmerk auf Krafttraining, im Speziellen konzentriere ich mich auf die Rumpfstabilität und Koordination. Dabei ist Abwechslung und alternatives Training für mich essenziell. So kann es sein, dass ich im Hochwinter mal mehrere Wochen am Stück keinen einzigen Kilometer zurücklege.

Ab März beginnt dann das wettkampforientierte Training mit langsam steigender Intensität. Aus den knappen sechs bis zehn Stunden Trainingseinheiten pro Woche werden im Frühjahr mindestens 15 bis 25 Stunden.

Wenn wir schon beim Training sind: Was gehört alles zu Deiner Ausrüstung? Worauf könntest Du in keinem Fall verzichten?

Gerade bei den Ultra Trails wird oft ein Minimum an Ausrüstung vorgeschrieben. Ich laufe meistens mit Stöcken und Rucksack. Im Rucksack trage ich zusätzliche Kleider, die vor Kälte und Regen schützen, genügend Wasser, oft eine Stirnlampe sowie die entsprechende Verpflegung mit. Vor allem die Stöcke sind auf den langen Strecken enorm hilfreich und entlasten bei steilen Aufstiegen die Beinmuskulatur. Ansonsten sind natürlich die Schuhe das A und O. Es gibt mittlerweile so viele Anbieter und da lohnt es sich, Zeit zu investieren, um den passenden Schuh für sich zu finden.

Und wieviel wiegt so ein bepackter Rucksack?

Und wieder geht es hinauf mit leichten Schritten und einem vollgepackten Rucksack.

So genau kann ich das nicht sagen. Das Material ist mittlerweile federleicht, trotzdem kommt einiges zusammen. Da ich während der Rennen jedoch immer auf ein tolles Betreuerteam zählen kann, trage ich wirklich nur das Allernötigste mit mir rum.

Gehört dazu auch ein Glücksbringer?

Nein, sowas habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man sich Glück erarbeiten kann und muss.

Hast Du auch ab und zu gar keine Lust aufs Training?

Es gibt immer Momente, in denen man lieber auf der Couch bleiben möchte. Da hilft es mir, dass ich anfangs Jahr genaue Ziele setze. Falls es trotzdem vorkommt, dass ich öfter keine Lust habe, ist das ein klares Indiz dafür, dass ich zu viel trainiere. Der Spass ist für mich wirklich das Wichtigste. Schliesslich ist es immer noch mein Hobby, das ich freiwillig betreibe!

Was war bisher Deine härteste Erfahrung?

Bei längeren Rennen gibt es diese bestimmten Phasen und man möchte sich am liebsten an Ort und Stelle einfach hinsetzen. Aber für solche Momente trainiere ich ja, und grundsätzlich sind die mentale Kraft und der Durchhaltewille ebenso wichtig wie die körperlichen Voraussetzungen. Beim Eiger Ultra Trail hatte ich vor einigen Jahren so starke Krämpfe, dass mir die letzten fünf Kilometer wie ein ganzes Leben vorgekommen sind. Auch noch nach dem Zieleinlauf wurde ich mehrere Stunden von Krämpfen geplagt. Da stellt man sich dann klar die «Warum»-Frage.

Zum Ziel geht es über Stock und Stein.

Auf diese Frage hin überlegst Du Dir nicht, damit aufzuhören? Oder verfolgst Du strikte ein bestimmtes Ziel?

Nein, ganz ehrlich ist das für mich überhaupt kein Thema. Wieso auch? So lange es mir Spass macht, sehe ich dazu keinen Grund.

Strikt ist vielleicht das falsche Wort. Klar bin ich ehrgeizig und habe einen Plan, jedoch ist es mir genauso wichtig, dass ich Zeit für Freunde und Familie habe und für mich eine gewisse Spontanität beibehalten kann.

Und was ist das für ein Plan?

Ich habe Ende Juni zum ersten Mal ein Ultra-Radrennen bestritten – das Race Across the Alps mit 540 Kilometern und 14000 Höhenmetern. Nach der etwas längeren Erholungsphase steht nun Ende Juli der erste Trail-Wettkampf an.

Ganz besonders freue ich mich auf die Teilnahme beim Transalpine-Run im September. Es ist eine Alpenüberquerung, die während sieben Tagen im Zweierteam durch Österreich, die Schweiz und Italien führt.

Und zum Schluss: Warum tust Du Dir das an?

Weil es mich zu einem gesünderen, fitteren, vor allem aber glücklichen Menschen macht.

Im Element: Sascha läuft seit Jahren und findet seinen Ausgleich nun im Ultrasport.

Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg auf all‘ Deinen Wegen!


P.S.: Habt Ihr gewusst, dass es auf BRACK.CH ein ganzes «Sport & Outdoor»-Sortiment gibt? Schaut doch mal vorbei ;-)


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0       Kommentare Geposted von Alexandra Donat

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