Pfeilschnell: Objektive für Sony E-Mount von SIGMA

Pfeilschnell: Was als Eigenschaft für den fotografierten Falken aus diesem Praxistest zutrifft, soll auch die Objektive auszeichnen, die Hersteller SIGMA für die E-Mounts von Sony im Programm hat. Fotografin Annika Bütschi hat drei dieser Objektive intensiv für euch getestet. Klick …

Falken sind sehr schnelle Flieger und deshalb im Freien bei wechselnden Lichtverhältnissen nicht leicht zu fotografieren. Die genannte Kombination der äusseren Faktoren stellt tatsächlich höchste Ansprüche an die Geschwindigkeit des Autofokus und an die Optik insgesamt. Und gerade deshalb hat die ausgebildete Fotofachfrau und Falknerin Annika Bütschi die zu testenden Objektive diesem Härtetest unterzogen. Schliesslich wirbt SIGMA insbesondere auch mit der Geschwindigkeit beim Scharfstellen selbst bei widrigen Lichtverhältnissen.

Das Ergebnis ist wirklich sehens- und lesenswert. Nicht nur, weil die entstandene Reportage sagenhafte Einblicke in die Trainingsarbeit von Falken und Falknern gewährt, sondern natürlich besonders auch deshalb, weil die Leistung der verwendeten Objektive in diesem Setting auf Herz und Nieren geprüft wurde. Und so viel darf an dieser Stelle vorab bereits verraten werden: Es gab dabei zwar viel, aber nicht ausschliesslich Licht.

Die getesteten Objektive

Drei SIGMA-Objektive traten zum Test an. Zwei Festbrennweitenobjektive und ein Zoomobjektiv, alle drei für Sony-E-Mount. Hier die Kandidaten im Überblick:

Festbrennweite 35mm / f 1.2 DG DN E-Mount
Festbrennweite 40mm f/1.4 DG HSM Art Sony FE
Zoomobjektiv 14-24mm f / 2.8 SO E-Mount

Das Test-Setting

Zum Testaufbau wurde im Grunde bereits fast alles gesagt: Eine professionelle Fotografin, eine Sony Alpha 9 als Kamerabody, die drei genannten SIGMA-Objektive und ein Falke mit Falkner beim Training.

Doch Annika Bütschi hat wirklich nichts dem Zufall überlassen und die Objektive deshalb zur besseren Vergleichbarkeit obendrein bei einer Hochzeit und diversen Testshootings beispielsweise an einem Auto und einer Hauswand getestet. Wo nötig, werden hier im Test auch Bilder aus diesen Shootings gezeigt. Sämtliche Fotos aus den Reihen könnt ihr euch übrigens in voller Grösse in der Fotogalerie auf Annikas Website ansehen.

Hinweise zu Fachbegriffen

Wie eingangs erwähnt, ist Annika Fotografin und Falknerin. Entsprechend werden in der Reportage vereinzelt Fachbegriffe aus der Falknerei fallen, «Atzung» zum Beispiel. Auch wenn sich vermutlich die meisten der Begriffe aus dem Kontext und den zugehörigen Bildern erschliessen lassen: sie werden an Ort und Stelle jeweils kurz erläutert. Und alle, die das Reportagethema über den reinen Objektiv-Test hinaus ebenfalls fesseln sollte, finden hier bei Interesse ein gutes Lexikon der Falknersprache.

Letzte Worte vorab …

In ihrer Reportage erläutert euch Annika nicht nur, welches Objektiv und welche Einstellungen sie für das jeweilige Foto verwendet hat und weshalb, sondern ausserdem, was ihr dabei mit Blick auf das verwendete Objektiv im Detail aufgefallen ist. Ihr abschliessendes Urteil folgt dann im Anschluss an die Reportage im Fazit.

Bühne frei! Die Reportage von Annika Bütschi

«Allgemein entschied ich mich bei den Aufnahmen beim Falkner ganz oft für das 40mm-Objektiv, da ich, so weit dies möglich war, einen gewissen Abstand zur Situation und den Tieren halten wollte. Um das Objektiv kreativ einsetzen zu können, fotografierte ich mit dem 40mm ganz bewusst nur mit Blende 1.4.

40 mm, 1/2000 Sek., f1.4, ISO 250

Der Wanderfalke im Garten, kurz vor dem Aufbruch zum Training. Da mich der Vogel nicht kennt, blieb ich auf Distanz, verzichtete auf die Aufnahme eines Portraits und hielt stattdessen die Gesamtsituation inklusive der Umgebung und Stimmung fest. Die Hintergrund-Unschärfe gibt der aufgenommenen Situation einen sanften Charakter, die Farben kommen gut zur Geltung.

40 mm, 1/2500 Sek., f1.4, ISO 640

Der Falke steigt auf den Handschuh des Falkners über und wird vor dem Training verhaubt, um eine stressfreie Fahrt ins Revier zu garantieren. Auch hier trennt das Objektiv den Hintergrund wieder sehr sauber vom eigentlichen Sujet. Damit ich die Situation aus der richtigen Perspektive sowie ohne stürzende Linien und mit einer sauberen Umgebung abbilden konnte, kniete ich mich für das Bild ebenfalls auf den Boden.

40 mm, 1/320 Sek., f1.4, ISO 640

Der Falke wird vor jedem Training gewogen, um sicherzugehen, dass er gesund und fit ist. Ausserdem kann anhand des Gewichts und der Intensität des Trainings die erforderliche Futtermenge ermittelt werden. Greifvögel sind Spitzensportler, die mit ausreichend hochwertiger Atzung (also «Futter») versorgt werden müssen.
Durch den Winkel in diesem Bild etsteht eine grosse Tiefe. Details wie die Haube, die auf dem Tisch liegt, konnten eingefangen werden. Die Reportage wird aufgelockert, der Blickwinkel auf das Geschehen entspricht dem des Falkners oder Zuschauenden.

40 mm, 1/3200 Sek., f1.4, ISO 640

Die Falken werden für das Training ins Auto verladen. Zur Sicherheit werden sie mit einem Sender ausgestattet, der auf der mittleren Stosspenne (das ist die Schwanzfeder in der Mitte) befestigt wird. So hindert der Sender den Falken nicht beim Fliegen, erlaubt dem Falkner jedoch im Notfall, den Vogel wieder orten zu können, wenn er sich verstossen (also davonfliegen) sollte. Der Fokus in diesem Bild liegt bewusst auf dem Sender, der ein unverzichtbares Hilfsmittel der modernen Falknerei ist.

14 mm, 1/640 Sek., f2.8, ISO 640

Auf dem Weg ins Revier haben die Falken ihren Platz im Kofferraum. Mich begeisterte hier die Lichtsituation und die Ausleuchtung des Falken, der im Fokus steht. Da es im Auto immer relativ eng zugeht und ich auf der Rückbank und damit genau vor den Falken sass, war das 14mm-Objektiv die passende Wahl, um auch die Kofferraum-Umgebung gut abbilden zu können. Damit war es möglich, das Augenmerk nicht nur auf den Falken, sondern auf die Gesamtsituation legen zu können. Da die Fahrt recht ruckelig verlief, entschied ich mich für eine der Situation angemessene kurze Verschlusszeit.

14 mm, 1/1600 Sek., f.2.8, ISO 1250

Ich wollte den Moment festhalten, als der Falke den Handschuh des Falkners verlässt. Das geht immer in Bruchteilen von Sekunden und man weiss nie, welche Richtung der Falke einschlagen wird. Deshalb entschied ich mich, den Falkner in den Fokus zu nehmen und auf gut Glück zu fotografieren. Dank des 14mm-Objektivs gelang es, den Vogel noch im richtigen Moment zu erwischen. Der extreme Verzug ist vor allem am rechten Bildrand am Flügel sehr gut erkennbar.

40 mm, 1/8’000 Sek., f1.4, ISO 1000

Dieses Bild zeigt den Wanderfalken beim Trainingsflug auf das sogenannte «Federspiel», also eine Beuteatrappe. Da der Wanderfalke das schnellste Tier der Welt ist, ging ich bei diesem Foto lieber auf Nummer sicher. Ich wählte eine viel kürzere Verschlusszeit als erforderlich und kostete die Serienaufnahme der Alpha 9 aus. Ich musste mich dabei relativ nah beim Falkner positionieren, um mit der 40mm-Brennweite nah genug am Geschehen zu sein. Dafür war es mit dem rasant arbeitenden Fokus des Objektivs leichter, den schnellen Falken zu jeder Zeit scharf abzubilden.

40 mm, 1/800 Sek., f1.4, ISO 500

Der Falke atzte (wer bis hier gefolgt ist, kennt den Begriff schon: «frass») seine wohlverdiente Mahlzeit, die auf dem Federspiel festgebunden war. Da er beschäftigt war, konnte ich mich etwas näher heranwagen. Und trotzdem wurde ich sofort mit einem skeptischen Blick bedacht …

Ich legte mich flach auf den Boden, um mich auf Augenhöhe mit dem Falken zu begeben, der dank der niedrigen Blendenzahl hier wieder sehr sauber vom Hintergrund abgehoben und in den Fokus gerückt wird.

40 mm, 1/640 Sek., f1.4, ISO 1000

Ein stolzes Portrait des Falken nach dem Training. Um den Falken sauber vom Hintergrund freistellen zu können, entschied ich mich für das 40mm-Objektiv mit Blende 1.4. Denn es sollte bei diesem Portrait ausschliesslich um die stolze Haltung des Tieres gehen. Die Umgebung sollte ganz bewusst nicht in den Fokus genommen werden. Um dem Bild einen leichten Gemälde-Charakter einzuhauchen, liess ich relativ viel Platz um den Falken herum und mittete ihn ein.

35 mm, 1/250 Sek., f1.2, ISO 20’000

Am Ende des Trainingstages war es draussen bereits sehr dunkel und die Strassenlaternen waren an. Um noch so viel Licht wie möglich nutzen zu können, wählte ich das 35mm-Objektiv mit Blende 1.2. Auch wenn der Schnappschuss in Bewegung technisch nicht perfekt ist, ist die Leistung des Objektivs bei so wenig Licht kaum überzubewerten. Das Foto erhält durch die verschiedenen Einflüsse einen realistischen Reportage-Charakter, der Fokus liegt auf dem Kopf des Falken.»

Die Bewertung der Objektive

Annikas Bütschis Fazit ist klar. Die getesteten SIGMA-Objektive für den Sony-E-Mount machen alle insgesamt eine gute Figur. Aber hier die Bewertung im Detail.

Positiv: Geschwindigkeit, Schärfe und Verarbeitung

Besonders positiv und in der Reportage eindrucksvoll zu sehen: Die Schärfe und Tiefenwirkung der Aufnahmen ist dank dieser Optiken hervorragend. Dies illustriert auch diese Aufnahme, entstanden bei einem Testshooting – einmal mit der 35mm-Festbrennweite bei Blende 1.2, einmal mit dem 40 mm und Blende 1.4 aus jeweils gleicher Aufnahmeposition. Ein Zoom auf den Kühlergrill lohnt sich (und damit sind nicht die vier Ringe gemeint)! Beachtet ausserdem dieses wunderbare Bokeh speziell beim 40 mm!

Schärfe und Tiefenwirkung sind sehr gut. Und was für ein Bokeh beim 40 mm!

Die Geschwindigkeit des Autofokus, der für die Aufnahmen des schnellsten Tiers der Welt unabdingbar ist und vom Hersteller selbst als wichtige Eigenschaft der Optiken beworben wird, ist aussergewöhnlich. Annika Bütschi stellt dazu nach ihren Shootings und vor allem nach der Hochzeitsreportage fest: «Der Autofokus arbeitet unglaublich schnell, leise und präzise. Insbesondere beim 35 mm ist das phänomenal. Ich habe damit fast nie daneben geschossen.»

Die Optiken fühlen sich auch für eine Fotografin, die entsprechende hochpreisiges Equipment täglich nutzt, professionell und hochwertig an: «Auch wenn die Objektive an und mit der Sony Alpha 9 einiges wiegen: die Objektive, insbesondere das 35 mm und das 40 mm von SIGMA, sind sehr wertig und schön. Das 35 mm ist als Always-on sicher gut zu gebrauchen, allerdings schon recht schwer, das gilt genauso für das 40 mm. Das 14-24 Zoomobjektiv hat mich in Sachen Haptik überrascht. Das wirkte anfangs irgendwie schon fast etwas zu leicht und zu klein für mich. Gewöhnungsbedürftig, aber sicher kein Mangel.»

Und nicht zuletzt zeichnen sich die Objektive durch ihre Lichtstärke aus. Auch bei wenig Licht gelingen, wie oben gezeigt, noch hervorragende Aufnahmen.

Schnell, scharf, lichtstark und wertig. Aber nicht verzeichnungsfrei …

Viel Licht also, aber bei Objektiven in dieser Preisklasse wird natürlich immer auch auf Schatten geprüft. Und wenn es den gibt, dann ist das bei zwei der drei getesteten SIGMA-Objektiven die Verzeichnung und in einem Fall die starke Vignettierung.

Was Annika Bütschi bereits bei ihrer Fotoreportage aufgefallen war, testete sie noch einmal gezielt an einer aus Backsteinen gemauerten Hauswand mithilfe eines Stativs aus exakt gleicher Position. Hier seht ihr die Ergebnisse der Gegenüberstellung der getesteten Objektive mit jeweils niedrigster und höchster Blendenzahl.

Der Verzug beim 14mm-Zoomobjektiv, links mit Blende 2.8 und rechts mit Blende 22

Bei Blende 2.8 ist die Vignettierung sehr stark. Wie zu erwarten, gibt es beim 14 mm eine wahrnehmbare Verzeichnung.

Verzeichnung beim 35mm- und 40mm-Objektiv mit jeweils niedrigster Blendenzahl

Bei der 35mm-Festbrennweite und Blende 1.2 sind die Linien in der Mitte noch gerade, während sie sich oben und unten wölben. Ausserdem ist die Vignettierung an den Bildrändern deutlich sichtbar und stark. Das 40mm-Objektiv bleibt weitgehend verzeichnungsfrei und weist eine geringere Vignette auf.

Verzeichnung beim 35mm- und 40mm-Objektiv mit jeweils höchster Blendenzahl

Die Vignettierung ist beim 35 mm mit Blende 16 nur noch leicht wahrnehmbar. Souverän dagegen auch hier das 40 mm, bei dem diese unerwünschte Effekt weniger auftritt.

Fazit

Alle getesteten SIGMA-Optiken für Sony-E-Mount sind wertig und zeichnen sich durch eine hohe Schärfe in der Abbildungsleistung aus. In Sachen Geschwindigkeit des Autofokus macht den Objektiven und besonders der 35-mm-Festbrennweite keiner so schnell etwas vor. Wer auf hohe Geschwindigkeit und Präzision des Autofokus angewiesen ist, der macht mit diesen E-Mount-Objektiven also garantiert nichts falsch. Und gerade beim 35 mm mit seiner sagenhaften Präzision und Geschwindigkeit gilt es im Einzelfall abzuwägen, ob die Geschwindigkeitsvorteile die Nachteile, also die Fehler in der Verzeichnung, überwiegen.

Die Fotografin

Annika Bütschi ist ausgebildete Fotofachfrau in der Fachrichtung Fotografie. Im Anschluss an ihr Praktikum als Pressefotografin bei der Aargauer Zeitung wechselte sie zu BRACK.CH, wo sie mehrere Jahre als Produktfotografin tätig war, bevor sie als Content Managerin in das Beleuchtungsteam wechselte. Seit ihrem zwölften Lebensjahr ist Annika von Greifvögeln fasziniert, zwischenzeitlich ist sie selbst ausgebildete Falknerin und Jägerin.

Über sich selbst als Fotografin schreibt sie: «Liebt Gegenlicht, Details und offenblendige Objektive. Fotografiert in ihrer Freizeit genauso gerne Hochzeiten, wie Reportagen über die Falknerei oder Driftevents auf der Rennstrecke.» Voilà!


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