Objektiv: drei wie «die reichen».

Joël Fischer: Craighouse

Wir können die uns oft gestellte Frage, welche drei Objektive ins grundlegende fotografische Arsenal gehören, nicht allgemeingültig beantworten. Das wäre Hybris. Aber wir haben einen sehr ernstzunehmenden Vorschlag für eine solche sogenannte «Holy Trinity». Doch lest selbst!

Klarer Standpunkt

Manche schwören auf Objektive mit Festbrennweiten, andere auf Zoomobjektive. Wir möchten die damit verbundenen Debatten an dieser Stelle nicht vertiefen. Aber wir stellen uns mit Blick auf die Beschaffung einer qualitativ hochwertigen Grundausstattung einmal bewusst auf die Seite der Befürworter von Zoomobjektiven. Aus gutem Grund, wie wir denken! Aber von vorne …

Einfach flexibel mit Zoom

Ein Vorteil von Zoomobjektiven ist unbestreitbar ihre Flexibilität. Mit einem Handgriff ist man bei Bedarf einfach näher dran oder etwas weiter weg – eben ganz so, wie es die gewünschte Komposition des Bildes erfordert.

Und sie können – entsprechende Qualität der Optik vorausgesetzt – unter Umständen mehrere Objektive mit Festbrennweite ersetzen. Was sich dann wiederum positiv auf Budget und Gewicht auswirkt.

Sich mit qualitativ hochwertigen Zoomobjektiven auszustatten, ist deshalb aus unserer Sicht ein durchaus guter und sinnvoll begründbarer Ansatz für ambitionierte Fotografen. Oder um es mit Joël Fischer zu sagen, der den Vorteil eines Zoomobjektivs in manchen Situationen nachvollziehbarerweise sehr schätzt:

Als das folgende Bild aufgenommen wurde, hatten Löwinnen gerade ein Zebra gejagt und ihre Jungen wenige hundert Meter vom Jagdgebiet im hohen Gras entfernt zurückgelassen. Nach der erfolgreichen Jagd machte sich eine der Löwinnen auf die Suche nach den Jungen und kehrte mit ihnen Richtung Beute zurück. In diesem Moment stellte ich mich in einiger Entfernung vor die kleine Truppe, um sie von vorne zu «erwischen». Ich hatte keine andere Wahl, als eine lange Brennweite zu verwenden, da Löwen es eher selten akzeptieren, dass ihnen ein 24 mm direkt vor die Nase gehalten wird (lacht)! Das Bild wurde mit einem 150-600 mm bei 534 mm aufgenommen.

Kommentar zu seinem Foto «Familie» aus dem kenianischen Masai-Mara-Nationalpark
Joël Fischer (photojf.com): «Familie»

«Holy Trinity» in der Fotografie: Was ist das?

Die Einschätzung, dass eine «Holy Trinity» mit Zoomobjektiven eine gute Grundausstattung darstellt, teilt Joël Fischer, den wir zu diesem Thema befragt haben. Seine Erläuterung:

Eine «Holy Trinity» (dt. «Heilige Dreifaltigkeit») ist eine Reihenfolge von Objektiven, die sich hinsichtlich der Brennweiten ergänzen. Es ist wichtig, eine solche Objektivreihenfolge zu haben, um in der Fotografie und speziell in der Berichterstattung in jeder Situation absolut effizient arbeiten zu können.

Joël Fischer, photojf.com

Ein Set von Zoomobjektiven sollte also möglichst lückenlos alle relevanten Brennweiten mit qualitativ hochwertigen Optiken abdecken. «Alle relevanten Brennweiten» bedeutet, dass die Holy Trinity in aller Regel und sinnvollerweise

  • ein Weitwinkelobjektiv,
  • ein Standard-Objektiv und
  • ein Teleobjektiv

enthält.

Hersteller und die «Holy Trinity»: Beispiel SIGMA

Alle grossen Hersteller – Nikon, Canon, SIGMA, Sony (…) – haben entsprechend aufeinander abgestimmte Objektive im Programm, die im Set in Fachkreisen als Holy Trinity des jeweiligen Herstellers gelten.

Im Fall von SIGMA sind das konkret die folgenden drei Objektive, wie uns der Hersteller auf Anfrage nochmals bestätigte:

Das Weitwinkelobjektiv eignet sich insbesondere für die Reise-, Natur- und Architekturfotografie – gerade auch die Tiefenstaffelung ist bei diesem Objektiv bekanntermassen gut. Den Einsatzzweck sieht auch der professionelle Naturfotograf:

Ich würde das 14-24 mm immer dann wählen, wenn Landschaftsaufnahmen mache oder ich die Notwendigkeit sehe, aus unmittelbarer Nähe zum Motiv zu berichten.

Joël Fischer, photojf.com

Das Standardobjektiv, wie es der Name nahelegt, ist prädestiniert als «Always-on-» bzw. «Immerdrauf-Objektiv», das sich aufgrund seiner variablen Brennweite für viele unterschiedliche bzw. die meisten Aufnahmesituationen auch im professionellen fotografischen Alltag eignet.

Zweifellos ist das 24-70 mm das optimale Always-on, weil es ermöglicht, mit 24 mm so nah wie möglich am Motiv zu sein, was für die Fotografie unerlässlich ist, wie Capa (Anm. d. Red.: gemeint ist der Fotograf Robert Capa, der u. a. für seine Kriegsaufnahmen weltbekannt wurde) sagte. Zugleich ermöglicht es aber auch einen kleinen Zoom, der durchaus nützlich sein kann.

Joël Fischer, photojf.com

Wenn es um Sport- oder Tierfotografie geht, oder allgemeiner immer dann, wenn weiter Entferntes und/oder sich Bewegendes aus möglichst grosser Nähe (und ggf. formatfüllend) festgehalten werden soll, dann ist der dritte im Bunde, das Teleobjektiv, die richtige Wahl.

Ich würde das 70-200 mm verwenden, wenn ich mit relativer Nähe berichten möchte. Dieses Objektiv (f 2.8) ermöglicht es, einen größeren Zoom bei gleichzeitig hervorragender Blende zu erhalten!

Joël Fischer, photojf.com

Allein diese kurze Beschreibung der Holy Trinity von SIGMA zeigt, dass sich mit ihren drei Zoomobjektiven, deren Brennweiten zusammengenommen nahtlos von 14 bis 200 mm reichen, im Grunde alle fotografischen Anforderungen erfüllen lassen.

Weshalb wir diese Objektive besonders herausgreifen? Weil sie in Tests unserer Experten regelmässig neben ihrer optischen Qualität – alle Objektive zeichnen sich u. a. durch hohe Lichtstärke und verzeichnungsfreie Darstellung aus –, insbesondere durch ihre Robustheit und das zugleich sehr attraktive Preis-Leistungsverhältnis auffallen.

Zwei weitere Beispiele für die hohe Qualität der SIGMA-Zoomobjektive möchten wir euch keinesfalls vorenthalten!

Joël Fischer (photojf.com): «Deadly Game»

Als der Tag gerade am heissesten und die Aktivität der Savannentiere am geringsten war, entdeckte mein Reiseleiter diese drei jungen Schakale, die mit dieser armen Eidechse spielten und bei diesem grausamen Spiel jagen lernten. Ich machte mich klein, um auf ihrer Höhe fotografieren zu können und machte eine ganze Reihe von Fotos, um trotz des starken Lichts ein Foto zu erhalten, das die Jagdsituation und die wilden Schakale hervorhebt, deren Opfer das Kleintier war. Dieses Bild wurde mit einem 150-600 mm bei 600 mm aufgenommen.

Joël Fischers Kommentar zu seiner Aufnahme «Deadly Game»
Joël Fischer (photojf.com): «Jura-Wolken»

Dieser Hirsch stand auf einem Hügel nur wenige hundert Meter von mir entfernt. Solche Fotos mit einem Himmel im Hintergrund können nur bei korrekt eingestellter Belichtung aufgenommen werden, um den Himmel im Hintergrund «nicht zu zeigen». Ich habe dazu das 150-600 mm bei 600 mm benutzt, dabei das Foto unterbelichtet, um eine Überbelichtung in jedem Fall zu vermeiden. Anschliessend bearbeitete ich in der Nachbearbeitung den Himmel noch einmal, um ihn ganz gezielt noch stärker unterzubelichten.

Joël Fischers Kommentar zu seiner Aufnahme «Jura-Wolken»

Wer braucht eine Dreifaltigkeit der Zoomobjektive?

Bereits oben wurde die Frage aus der Überschrift im Grunde beantwortet. Das Objektivset ermöglicht es schlicht, für jede fotografische Anforderung über alle gängigen Brennweiten hinweg grundsätzlich gewappnet zu sein. Wer also, was die fotografische Grundausstattung betrifft, auf der sicheren Seite sein möchte, der macht mit einer solchen Zoomobjektiv-Trinität sicher nichts falsch.

Das soll jedoch im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass die zusätzliche oder gar ausschliessliche Abdeckung bestimmter Brennweiten mit Festbrennweiten nicht sinnvoll ist. Im Gegenteil!

Aus unserer Sicht folgt die Anschaffung von Festbrennweiten jedoch meist besser in einem zweiten Schritt mit der Spezialisierung auf einzelne fotografische Disziplinen und zunehmender fotografischer Erfahrung. Spätestens dann können Festbrennweitenobjektive ihre Stärken mit Blick auf Qualität (z. B. Schärfentiefe oder Lichtstärke), ggf. geringeres Gewicht und niedrigeren Preis ausspielen.

Fazit

Ein Teil der wiederkehrendden Diskussionen rund um Festbrenntweiten-Objektive vs. Zoomobjektive resultiert vermutlich aus dem (Wahrheits-)Anspruch, der sich aus dem Begriff der «Heiligen Dreifaltigkeit» ableiten lässt. Und tatsächlich empfinden auch wir den Begriff als problematisch, wenn er exklusiv verwendet wird, d. h. konkret: wenn suggeriert wird, dass keine anderen oder weiteren (Festbrennweiten-)Objektive eine sinnvolle Kombination oder Ergänzung wären. Dazu Joël Fischer:

Ich benutze persönlich ein 24-mm-Festbrennweitenobjektiv aufgrund seiner lichtstarken Blende mit Blendenwert 1.4. (Übrigens lobe ich sehr häufig gerade auch die Festbrennweitenobjektive von Sigma für ihre Effizienz und Leistungsfähigkeit.) Ich nutze es in Verbindung mit einem 17-40 mm sowie einem 70-200 mm 2.8, einem 100-400 mm und einem 150-600 mm.

Diese Objektive, auch wenn sie nicht nahtlos aufeinander folgen und nicht Teil einer «Heiligen Dreifaltigkeit» sind, sind für meinen Einsatz hervorragend geeignet.

Für die Art von Fotograf, wie ich einer bin, wären die Objektive SIGMA 24 mm 1.4, das oben bereits beschriebene 70-200 mm 2.8, das 150-600 mm Sport und das 500 mm f4 das Optimum.

Joël Fischer, photojf.com
Joël Fischer (photojf.com): «Jura-Landschaft»

Für dieses Bild habe ich die 24 mm Festbrennweite verwendet aufgrund ihrer unglaublichen Fähigkeit, die wunderbaren Farben Schottlands einzufangen.

Joël Fischers Kommentar zu seiner Aufnahme «Jura-Landschaft»

Es gilt also wie so oft: Vor der Beschaffung sollte jede und jeder seine Bedürfnisse genau kennen und formulieren, um die individuell optimale Ausstattung zu erwerben.

Was wir ganz klar sagen können: Mit einer Holy Trinity aus Zoomobjektiven wie der beispielhaft genannten von SIGMA ist aus unserer Sicht ein mehr als bloss solider Grundstein gelegt, um in jeder Situation qualitativ äusserst hochwertige Fotos von unbeweglichen und beweglichen sowie nahen und fernen Motiven zu schiessen.

Dieses Set mithilfe von Festbrennweitenobjektiven zu ergänzen oder auch einzelne Objektive ganz zu ersetzen, ist abhängig von individuellen Anforderungen sinnvoll, mitunter sogar angeraten. Das erfordert aber eine ganz gezielte Analyse der spezifischen Anforderungen des jeweiligen Fotografierenden.

Joël Fischer

Steckbrief
  • Name: Joël Fischer
  • Alter: 36 Jahre
  • Wohnort: Nyon
  • Webpräsenz: photojf.com
  • Social Media: Instagram, Twitter
  • Kamera(s): Canon EOS 1DX, Canon EOS 6D
  • Lieblingsobjektiv: SIGMA 24 mm 1.4
Tier- und Naturfotograf Joël Fischer
Fotografischer Werdegang

Joël Fischer schloss eine künstlerische Ausbildung ab. Nachdem er mehrere Jahre lang die Tiere in den Wäldern seiner Heimat Versoix fotografiert hatte, begann er sich verstärkt für andere, weiter enfernte Länder wie Portugal, Schottland, Kenia und andere zu interessieren, sie zu bereisen und dort zu fotografieren.

Die Fotografien, die er auf seinen Reisen machte, wurden vielfach prämiert und ausgezeichnet. Joël Fischer ist Träger bedeutender Fotografiepreise und erhielt darüber hinaus zahlreiche Nominierungen. Ein Auszug:

  • Ausgewählt für den «National Geographic Photographer of the Year 2017»-Award
  • Nature Images Awards 2016 und 2017
  • Le plus grand concours photo du monde 2014 und 2016
  • Swiss Photo Club Contest
  • Monochrome Awards

Regelmässig werden seine Fotos in Zeitschriften oder online von wichtigen Medien publiziert, darunter:

  • Terre Sauvage
  • Animan
  • PHOTO
  • BBC
  • The Sun
  • National Geographic
  • Disney Nature
  • u. v. m.
Der Fotograf Joël Fischer über sich selbst

«Ich fotografiere gerne die Natur und ihre grafische Seite. Deshalb ziehe ich schwarz-weiss oft der Farbe vor. Meine erste Ausbildung ermöglichte es mir, die Komposition eines Bildes und eines Raumes zu erlernen und darüber hinaus die Benutzung der Grafiksoftware, mit der ich täglich arbeite.»

Joël Fischer arbeitet mit SIGMA

«Seit meinen Anfängen in der digitalen Fotografie begleitet mich die Marke SIGMA. Es ist deshalb selbstverständlich, dass ich schon seit langer Zeit mit diesen Objektiven arbeite.

Seit einigen Jahren produziert die Marke Optiken, die perfekt auf meinen Einsatzzweck abgestimmt sind und eine unglaubliche Qualität sowie ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis haben.

Derzeit habe ich sehr häufig das SIGMA 24 mm 1.4 im Einsatz aufgrund seiner optischen Qualität, seiner Strapazierfähigkeit und Schärfe (Nikon F | Canon EF | Sony E-Mount). Ausserdem benutze ich das das SIGMA 150-600mm S (Nikon F | Canon EF) sehr regelmässig. Es ist extrem stabil, zuverlässig und mit seinem vergleichsweise niedrigen Preis ist es eine ausgezeichnete Alternative zu den anderen 500-mm-Objektiven auf dem Markt, solange das Licht gut ist.

Und in den kommenden Jahren werde ich sicher aufgrund des sehr guten Preis-Leistungsverhältnisses in die Anschaffung eines SIGMA 500 mm F4 (Nikon F) investieren.»


8       Kommentare Geposted von Sebastian Kestel

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  • Anton Hess says:
    • Sebastian Kestel
      Sebastian Kestel says:
  • Sascha says:
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      Sebastian Kestel says:
  • Tim says:
    • Sebastian Kestel
      Sebastian Kestel says:
  • Toni says:
    • Sebastian Kestel
      Sebastian Kestel says:
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