Samsung Galaxy S7 + Gear 360 + Gear VR 2

Es tönt spannend: In virtuelle Welten eintauchen und sich in selbstgemachten Fotos und Videos umschauen, und das nicht etwa mit einem hochgezüchteten PC, sondern mit dem Smartphone –  jederzeit und überall. Ist das nun endlich wahr oder bleibt es weiter ein langgehegter Traum? Wir haben uns das VR-Headset Samsung Gear VR 2, die Rundumsicht-Kamera Samsung Gear 360 und das leistungsfähige Smartphone Samsung Galaxy S 7 angeschaut.

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Samsung-SMC200-Gear-360-N-002.xxlSamsung Gear 360

Von den bisher getesteten 360-Grad-Kameras weicht die Samsung-Kamera bei der Form ab: Sie ist kugelförmig und sieht wie ein futuristischer Androiden-Augapfel aus (was sie im Prinzip auch ist :-). Auf der einen Seite befinden sich der Einschalt- und der Menüknopf, oben gibt es eine Bestätigungs- und Auslösetaste und eine winzige Flüssigkristallanzeige. Auf der anderen Seite finden sich unter einem Deckel der Akku-Slot, der microSD-Speicherkartenschlitz und der Micro-USB-Anschluss. Neben der Klappe prangt das NFC-Symbol zur einfachen Verbindungsherstellung. Unten am Gehäuse gibt es ein Stativgewinde. Cool: die Gear 360 liefert Samsung mit einem kleinen klappbaren Dreibeinstativ.

Beispielaufnahmen

Einer der Innenhöfe unseres Hauptquartiers

Kleine Oase im Dorf Mägenwil

Märklin-Landschaft in unserem Showroom

An der Hauptstrasse

Kamera-App

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Samsung Gear VR 2

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Die Gear VR 2 macht trotz Kunststoff einen wertig verarbeiteten Eindruck und sieht recht futuristisch aus. Da das Bild (wie der Ton auch) ja vom Smartphone kommt, lässt sich ein aktuelles Galaxy-S-Modell vorn an einem Micro-USB-Port einstecken. Das bedeutet aber auch, dass die Brille inklusive Telefon ein recht hohes Gewicht aufweist. Deshalb verfügt das Headset über längenverstellbare Bänder, mit deren Hilfe ich einen guten Tragkomfort erreiche – es ist nicht unangenehm, sich die Gear VR 2 um den Kopf zu schnallen. Bei mehrstündigen Sessions sind aber trotz guter Polsterung gewisse Druckstellen wohl unvermeidlich – und man schwitzt auch ordentlich. Das ist aber kein Samsung-Problem. Über das Telefon werden auch die zusätzlichen Sensoren der Brille mit Strom versorgt, die für präzise Bewegungserkennung und niedrige Latenz zwischen Kopfbewegung und Umsetzung in der virtuellen Umgebung eingebaut sind. Auf der rechten Seite sind ein multidirektionales Touchpad und ein physischer Zurück-Knopf angebracht, mit deren Hilfe ich mich durch Menüs, Fotos, Videos und Spielumgebungen bewege.

Bildquelle: https://www3.oculus.com/en-us/blog/introducing-the-samsung-gear-vr-innovator-edition/

Extra für Gear VR produzierte Software lässt sich über den «Oculus Store» herunterladen. Es gibt Video-Apps wie «Within» oder «Galileo» mit 360-Grad-Aufnahmen, 180-Grad-Livestreams via «NextVR», aber auch jede Menge Games. Darunter VR-Adaptionen bekannter Spielemarken wie etwa Minecraft  – wie cool es sein muss, in den selbst kreierten Welten herumzuflanieren (Vorsicht vor den Mobs)! Wer eine Samsung Gear 360 (siehe oben) sein Eigen nennt, kann seine eigenen Videos und Fotos auf sehr eindrucksvolle Art auf der Gear VR bestaunen. Eine virtuelle Spielhalle mit Automatenklassikern und eine Netflix-App dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wie in anderen App-Plattformen kosten auch hier viele Apps Geld. Für die Steuerung braucht es bisweilen ein externes Gamepad, das ist im Store jedoch stets angegeben.

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Samsung Galaxy S7

samsung-sm-g935-galaxy-s7-edge-silber-001.xxlZum Test der Kamera und der VR-Brille haben wir uns ein Galaxy S7 ausgeliehen. Darüber ist bereits so viel Positives geschrieben worden. Mir persönlich gefallen besonders die gute Kamera mit nachträglich möglicher Refokussierung, die Verarbeitung und die Performance. Und das Zusammenspiel mit den beiden Peripheriegeräten funktionierte bei uns im Test stets einwandfrei.

Galaxy S7 im Shop ansehen (diverse Farben)
Galaxy S7 edge im Shop ansehen (diverse Farben)

Persönliches Fazit

Betrachte ich Telefon, 360-Grad-Kamera und VR-Brille im Zusammenspiel, so handelt es sich bei mobilen VR-Lösung von Samsung ums beste Gesamtpaket, das derzeit auf dem Schweizer Markt ist. Es gefällt mir insgesamt besser als das Bundle von LG. Die Gear VR 2 schenkt mir einen besseren Eindruck von Immersion als die LG 360 VR: Das liegt an der Auflösung (hier liefert ein Galaxy-Smartphone das Bild, bei LG verfügt die Brille selbst über Monitore), aber auch am subjektiv saubereren Tracking und am vollständig ausgefüllten Gesichtsfeld (was auch gefährlich sein kann: achtet immer auf die Umgebung, bevor Ihr damit spielt). Auch die Bedienung über das Tastfeld direkt an der Brille funktioniert besser als über das per Kabel an die LG-360-VR-Brille gestöpselte und zum Touchpad umfunktionierte LG-G5-Handy. Die VR-Software, die Samsung ausschliesslich über den eigenen «Oculus»-Marktplatz anbietet, respektive in vielen Fällen kostenpflichtig verkauft, macht auch einen komplexeren Eindruck als die meisten Cardboard-Anwendungen, die ich bisher ausprobiert habe. Und obwohl die LG-Brille kein Telefon aufnehmen muss und deshalb leichter ist, empfinde ich das Tragen der Gear VR 2 als angenehmer. Und mir wird auch nach 15 Minuten noch nicht schlecht – mein neues Testkriterium für VR-Geschichten :-)

Vor- und Nachteile der Ökosystem-Strategie bei Kompatibilität und Apps

Vielleicht allgemein etwas gewöhnungsbedürftig: Samsung kreiert hier ein quasi abgeschlossenes Ökosystem. Um normale Google-Cardboard-VR-Anwendungen auf der Gear VR 2 laufen zu lassen, muss man dafür etwas tricksen: Man muss nämlich mit Drittanbieter-Apps den beim Aufstecken des Smartphones automatisch startenden Gear-VR-Service aushebeln. Die Frage ist immer ein wenig, warum man das wollen sollte: Es gibt natürlich viel mehr Cardboard-Apps, aber die VR-Applikationen im Oculus-Store sind meines Erachtens sowieso überlegen. Die Brille lässt sich zudem ausschliesslich mit aktuellen Samsung-Flaggschifftelefonen nutzen, ebenso die Kamera. Wer ein anderes Android-Handy hat, findet eventuell im Web einen Workaround, iOS-User bleiben – ausser über die Nutzung der sehr eingeschränkten Google-Streetview-App – aussen vor. Das hat LG bei der LG 360 Cam besser gemacht. Und noch etwas ist bei LG besser: der USB-C-Anschluss, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wie ich ihn einstecke. Gemäss diverser Branchenwebsites ging es bei dieser Entscheidung darum, dass die vielen User weiterhin ihre Micro-USB-Zubehörteile verwenden können. Samsung macht den Wechsel auf USB-C jedoch mit – beim kürzlich vorgestellten Galaxy Note 7 (im Shop ansehen). Und liefert kundenfreundlicherweise gleich einen Micro-USB- auf USB-C-Adapter mit.

Behandle diese Kamera wie deinen Augapfel

Die Bildqualität der Samsung Gear 360 ist ungefähr auf demselben Level mit der Ricoh Theta S und der LG 360 Cam. Bei Videos hat sie in der höchsten Einstellung gegenüber den andern beiden leicht die Nase vorn. Das Betrachten auf dem Telefon, aber auch auf der VR-Brille funktioniert einfach und einwandfrei. Das Teilen der Aufnahmen via Social Media hat meiner Meinung nach von allen drei die Ricoh am einfachsten hinbekommen. Bei der Gear 360 lohnt es sich auf jeden Fall, die Aufnahmen zuerst aufs Galaxy-Telefon zu übertragen. Dort passiert das nötige «Stitching» in ein teilbares Format, das Facebook, YouTube und Co. folgerichtig als 360-Grad-Aufnahme samt zugehörigen Interaktionsmöglichkeiten darstellt. Nimmt man die Aufnahmen direkt aus der Speicherkarte, muss man eventuell am PC erst eine beim Hersteller herunterladbare Software darüber laufen lassen (der Lizenzschlüssel dafür befindet sich in der Produktverpackung). Vom Leistungsumfang ist die (von uns nicht getestete) Action-Director-Software von Samsung mit Titeleffekten, Vertonungen, Überblendungen zwischen Clips etc. wohl die mächtigste der zu den besprochenen Kameras gelieferten Applikationen. Mir persönlich passt die Stabform der anderen Kameras besser als diese Kugelform. Dauernd fasse ich entweder eine der Linsen an oder betätige versehentlich einen der Knöpfe. Auch von der Gewichtsverteilung her passt mir die Ricoh besser als die «Knutschkugel». Aber das ist sicherlich subjektiv.

Mit dem Galaxy S7 habt Ihr ein leistungsstarkes Telefon, die Gear VR ist eine spannende Dreingabe für alle Virtual-Reality-Interessierten (Minecraft Gear VR Edition, anyone?) und mit dem Kauf der Kamera macht Ihr bei der derzeitigen Auswahl auf dem Markt nichts falsch – insbesondere, falls Ihr sowieso bereits ein aktuelles Galaxy-Telefon habt.

 


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0       Kommentare Geposted von Daniel Rei

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