VR-Brille Pimax 8K im Test

Pimax bringt dieses Jahr zwei neue VR-Brillen auf den Markt: Die Pimax 8K und 5K+. Beide wurden über Kickstarter finanziert und sollen die Konkurrenz in Sachen Auflösung und Sichtfeldweite in den Schatten stellen.

Oli von der BRACK.CH Test Force hatte die Möglichkeit, die Pimax 8K zu testen. Wie gut ist die Pimax 8K wirklich? Welche Vor- und Nachteile bietet Sie gegenüber HTC Vive und Vive Pro? Im folgenden Review beschreibt Oli die Eindrücke, die er während einer Woche gesammelt hat.

Hardware-Voraussetzungen

Das Rendern von VR-Anwendungen und -Games verlangt dem PC einiges an Rechenpower ab. Während für die HTC Vive die Mindestanforderungen bei einer Nvidia GeForce GTX 970 oder AMD Radeon R9 290 Grafikkarte sowie einem Intel i5-4590 oder AMD FX 8350 Prozessor liegen, benötigt man für die höhere Renderauflösung der Pimax auch bessere Hardware. Genaue Minimalanforderungen seitens Pimax sind mir leider nicht bekannt.

Mein System ist mit einer Nvidia Geforce GTX 1080TI sowie einem Intel i7 6700K (Shop) ausgerüstet. Dies dürfte genügen, um die meisten VR-Games flüssig zocken zu können.

Weiter braucht man am PC einen freien USB-3.0-Anschluss sowie einen DisplayPort-Ausgang an der Grafikkarte.

Die Pimax besitzt einen internen Gyrosensor, der 360°-Tracking ohne weitere Hardware ermöglicht. Für ein optimales VR-Erlebnis mit «Roomscale» werden aber «Lighthouse»-Basisstationen empfohlen, die im Lieferumfang leider nicht enthalten sind. Auch Controller sind bei der Pimax nicht dabei. Besitzer einer HTC Vive können aber die bestehenden Basis-Stationen sowie Controller benutzen, da diese mit Pimax kompatibel sind (siehe Kapitel «im Shop» am Ende dieses Artikels).

Lieferumfang

  • VR-Brille
  • Kombiniertes 5m-Kabel mit USB-, DisplayPort- und Stromanschluss
  • Stromadapter
  • Kopfhalterung

Aussehen, Verarbeitung, Gewicht

Die Pimax ist mit seinen zwei verbauten LCDs breiter als die HTC Vive oder die Vive Pro. Das leichte Gewicht von nur 560 Gramm fällt sofort auf. Das Aussenmaterial besteht aus Plastik, welches an diversen Stellen besser verarbeitet sein dürfte. Das beleuchtete «V» auf der Vorderseite gibt dem VR-Brille einen futuristischen Look. Bei den Linsen handelt es sich, wie auch bei der HTC Vive, um Fresnel-Linsen, die aber im Vergleich zur Vive viel grösser sind. Der Bereich um die Linsen ist mit einem elastischen Stoff bezogen. Das Gesichtspolster ist auswechselbar und hat an den Seiten Aussparungen für Brillenträger.

Anschlüsse und Bedienungselemente

Die Pimax wird mit dem PC per USB-3.0- und DisplayPort-Stecker verbunden. An der VR-Brille selber findet man zwei USB-C-Anschlüsse für zukünftig erscheinende Erweiterungen sowie einen 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer.

An der Unterseite dient ein Justierrad zum Einstellen der eigenen Interpupillar-Distanz (Augenabstand). Zudem befindet sich an der Unterseite das Mikrofon.

An der Oberseite befinden Power- sowie Lautstärke-Knöpfe.

Setup und Inbetriebnahme

Zunächst muss die «PiTool»-Software heruntergeladen und installiert werden, mithilfe derer man bestehende Vive-Controller verbinden sowie den Spielbereich definieren kann.

Über SteamVR lassen sich anschliessend, wie von der HTC Vive gewohnt, VR-Spiele und – Anwendungen starten.

Weitere Funktionen der Software «PiTool»

  • Firmware-Aktualisierung
  • Ein- und Ausschalten des Lighthouse-Trackings (bei ausgeschaltetem Zustand verwendet die Pimax lediglich den integrierten Gyrosensor zu Erkennung der Blickrichtung. Die Pimax kann so auch ohne Basisstationen betrieben werden)
  • Das Field of View (Sichtbereich) lässt sich in drei Stufen einstellen
  • Die Einstellung der Render-Qualität legt fest, in welcher Auflösung das Bild gerendert werden soll, bevor es an die VR-Brille weitergegeben wird. Diese Einstellung beeinflusst die Bildqualität, wirkt sich aber auch auf die Performance aus
  • Die LCD-Helligkeit lässt sich einstellen

Tragekomfort

Zurück zur Brille selbst: Die Pimax hat ein relativ leichtes Gewicht, sitzt bequem auf dem Kopf und verrutscht bei schnellen Kopfbewegungen nicht.

Das Tragen meiner Korrekturbrille war kein Problem. Ich kann mir aber vorstellen, dass der Platz je nach Brillengestell eng werden kann. Leider lässt sich der Abstand zwischen Augen und Linsen nicht wie bei der HTC Vive vergrössern. Pimax will aber in Zukunft spezielle Brillen-Einsätze anbieten.

Aufgrund der beiden LCDs wird die VR-Brille bei längerem Gebrauch spürbar warm, was das Schwitzen fördern kann.

Bildqualität, VR-Feeling

Nach dem erstmaligen Aufsetzen der Pimax fällt sofort der riesige Sichtbereich auf. Während man bei HTC Vive und Co. immer das Gefühl hat, durch ein Guckloch in die VR-Welt zu schauen, fühle ich mich mit der Pimax wie mittendrin. Im Vergleich: Die HTC Vive bietet 110° und die Pimax 200° Sichtbereich.

Mir ist aufgefallen, dass das Bild im linken und rechten peripheren Sichtfeld (beim Blick geradeaus) Verzerrungen aufweist. Dieser Verzerrungseffekt ist schwer zu beschreiben und ist beim direkten Blick zum Bildrand nicht mehr sichtbar. Ich habe mich aber nach einer Weile daran gewöhnt und die Verzerrungen nicht mehr als störend wahrgenommen.

Der Fliegengittereffekt oder auch «Screendoor»-Effekt, den ich bei der HTC Vive stark wahrgenommen habe, ist bei der Pimax 8K fast gar nicht zu erkennen.

Kommen wir zur Auflösung, die ja die grosse Stärke der 8K-Variante der Pimax sein soll: Also, 8K ist’s ja technisch gesehen nicht, denn 8K wäre die doppelte Auflösung von 4K, horizontal und vertikal. Nichtsdestotrotz sollten die zwei verbauten 4K-LCDs (eines pro Auge) eigentlich für ein kristallscharfes Bild sorgen, jedoch wirkt bei meinen Tests alles leicht unscharf. Grund dafür scheint zu sein, dass die Pimax 8K das gerenderte Bild vom PC in der Auflösung 2560×1440 (pro Auge) erhält und anschliessend das Bild auf 4K (pro Auge) hochrechnet. Hier hätte ich mehr erwartet!

HTC verbaut in der Vive und Vive Pro OLED-Displays. In der Pimax hingegen kommen LCDs zum Einsatz. Während man in hellen VR-Umgebungen keinen Unterschied bemerkt, werden in dunklen Umgebungen schwarze Flächen bei der Pimax eher dunkelgrau dargestellt, was sich durchaus negativ auf die Immersion auswirken kann. Ich persönlich empfand es aber nicht als störend.

Störende Blende- und Lichtstrahl-Effekte («Godrays»), wie man sie bei kontrastreichen Bildern von der HTC Vive kennt, treten bei der Pimax fast gar nicht auf.

Die leicht niedrigere Bildwiederholungsrate der Pimax 8K (80 Hz) gegenüber der HTC Vive (90 Hz) ist mir während dem Test nicht negativ aufgefallen.

Performance

Mein mit einer Nvidia GeForce GTX 1080TI und 32 GB RAM ausgerüstetes Intel-i7-System sorgte schon beim Zocken mit der HTC Vive Pro für eine flüssige Darstellung des Geschehens. Trotz der insgesamt höheren Render-Auflösung (1440×1600 Pixel pro Auge bei der Vive Pro, 2560×1440 pro Auge bei der Pimax 8K) machten sich lediglich beim Spiel «Hellblade» Performance-Einbussen bemerkbar, welche ich aber mit diversen Einstellungen in den Griff bekommen habe. Alle anderen Spiele liefen flüssig.

Während das Ändern der Renderqualität in PiTool für mich keine sichtbaren Auswirkungen auf die Bildqualität hatten, wirkten sie sich aber auf die FPS (Bilder pro Sekunde) aus.

Auch das Verringern des Sichtbereichs (FOV; field of view) kann notfalls helfen, noch ein paar Frames pro Sekunde rauszuholen.

Erweiterungsmöglichkeiten

Pimax hat diverse Add-Ons geplant, die die VR-Brille um interessante Features erweitern soll. Mit der Wireless-Erweiterung beispielsweise wird man sich zukünftig auch ohne störende Kabel durch die VR-Welt bewegen können.

Mit dem «Leap Motion»-Modul soll man auch ohne Controller mit der VR-Welt interagieren können, denn es erkennt Hand und Fingerbewegungen und stellt diese in Echtzeit in VR dar.

Auch Eye-Tracking und die Simulation von Gerüchen (!) soll zukünftig mit entsprechenden Modulen ermöglicht werden.

Fazit

Die Pimax 8K bietet ein hochauflösendes Bild ohne störende «Screendoor»- oder «Godray»-Effekte. Der Sichtbereich von 200 Grad sorgt für eine Immersion, die momentan keine andere VR-Brille bieten kann – für mich zweifellos das überzeugendste Feature der Pimax 8K!

Jedoch stört mich die leichte Unschärfe, vor allem beim Lesen von Text, aber vielleicht lässt sich da seitens Pimax noch via Firmware-Updates nachbessern. Ich hatte leider keine Möglichkeit, die günstigere 5K+-Variante zu testen. Viele Testberichte sagen aber, dass die Pimax 5K+ ein schärferes Bild liefert, weil sie im Gegensatz zur 8K-Variante das Bild nicht hochrechnet, sondern 1:1 an die Displays weitergibt.

Für Besitzer der HTC Vive hat das Upgrade Sinn, da Ihr Controller und Basis-Station übernehmen könnt. Allen anderen empfehle ich, auf ein Kit zu warten, das die Basisstationen und Controller beinhaltet.

Getestete Games

  • Onward
  • Pavlov
  • Beatsaber
  • Job Simulator
  • Hellblade
  • Arizona Sunshine

Im Shop


2       Kommentare Geposted von Oliver Lüscher

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  • Heiko says:
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