Jetzt wird’s heiss – brandheiss

Nun ja, der Winter geniesst sein Leben noch in vollen Zügen, während «Gfrörlis» wie ich ihn gerne auch mal ausschliessen und das süsse Nichtstun auf der Couch geniessen. Auf Dauer wird das jedoch langweilig und deswegen habe ich mir etwas zur Abwechslung einfallen lassen: Brandmalerei.

Jedem sein Hobby: ob Ski fahren, snowboarden, schlitteln, spazieren, eislaufen, etc. Der Winter ist reich an sportlichen Aktivitäten und diese führt man vor allem bei schönem Wetter aus. Aber was, wenn’s mal ein Wochenende lang draussen «hudelt»? Ja klar, es wäre noch der Haushalt zu führen, Rechnungen zu bezahlen, ins Schwimmbad wollte man auch schon lange wieder (doch nicht bei diesem Wetter), im Kino war man erst am vorherigen Abend, die Bibliothek ist auch nicht so reizvoll, in den Cafés wimmelt es von Leuten – also was tun? Man suche ein neues, potentielles Steckenpferd.

So geschehen Ende Januar bei mir zu Hause. Und da die neue Wohnung eh noch etwas Dekoration bedurfte, griff ich kurzerhand zu Holz und Lötkolben. Was dabei Zustande kam, war gar nicht mal so übel. Doch das dürft Ihr schlussendlich beurteilen ;-)

 

Ein Multitalent unter den Lötern

Ist das Hobby erst einmal gefunden, braucht es natürlich die richtige Ausrüstung. Die Suche gestaltet sich ziemlich herausfordernd, da ich mich noch nie wirklich mit der Brandmalerei zuvor auseinandergesetzt habe. Nur eins ist von Anfang an klar: ich brauche Holz ;-)

Zusätzlich arbeite ich mich langsam durch die weltweit grösste Wissenssammelstelle – das Internet. Mit dem Suchbegriff «Brandmalerei» findet sich allerhand von Shoppingempfehlungen, über Vorlagen bis zu DIY-Videos. Ich habe mich schliesslich für den Dremel Butan-Lötkolben entschieden. Das Set enthält

  • VersaTip
  • Lötspitze
  • Schneideklinge
  • Heissmesser
  • Flachflammdüse
  • Reflektorblech
  • Heissluftgebläsedüse
  • Lötdraht
  • Lötschwamm inkl. Schwammbehälter

Dazu erhältlich ist ein separates Pyrographie-Set mit vier zusätzlichen Spitzen, die laut Beschreibung extra für die Bearbeitung von Holz und Leder gedacht sind.

 

Aller Anfang ist…

Die Sicherheitshinweise sollten unbedingt beachtet werden

…nicht schwierig. Nein, viel eher interessant und voller Überraschungen. Das Set von Dremel ist elegant verpackt und ziemlich handlich für eine Werkzeugkiste. Nun – so vorbildlich wie ich bin – lese ich zuerst die Bedienungsanleitung gründlich durch. Für mich als Lötkolben-Frischling war das eine gute Möglichkeit, mich mit dem Gerät vertraut zu machen bevor ich mit dem Feuer spielte. (Ok, natürlich nicht direkt, aber mit dem Butangas doch nicht ganz ungefährlich.)

Auf die Vorlage, fertig, los…!

Doch hat man sich mit dem Lötkolben und dem restlichen Material vertraut gemacht, ist der Rest fast schon ein Klacks: Motive aussuchen, ausdrucken, abpausen und schon kann’s los gehen.

Hinweis: Wenn Ihr lange Haare habt, bindet Ihr sie am besten zurück, denn diese sollten nicht in Flammen aufgehen und schmörzeln. Zusätzlich würde ich unempfindliche Kleidung anziehen, die sich zum Basteln eignet und es nicht schade darum ist, wenn es doch kleine Brandlöcher geben sollte.

 

Gib Gas

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

So weit, so gut. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Vor dem Abfüllen des Lötkolbens hatte ich anfänglich kräftigen Respekt, wobei die Beschreibung auf der Dose sehr simpel und ungefährlich tönt.

Mit gehörigem Abstand füllte ich das Butangas in den Kolben ein. Wichtig ist dabei, den passenden Aufsatz für den Kolben zu wählen (diese sind im Deckel der Dose enthalten). Bei mir war’s nach mehrfachem ausprobieren dann soweit, dass ich den Kolben anständig befüllen konnte. Dazu muss die Dose leicht nach unten gedrückt werden und das Gas strömt in den Kolben, worauf dieser gleich sehr kühl wird wegen des komprimierten Gases.

 

 

 

 

Vom Anfänger zum Könner?

Sodeli, rasch auf den Baumstumpf «malen» und dann habe ich bereits mein neues Schnittbrettli für den nächsten Sonntagsbrunch. Falsch gedacht: Da die Servierplatte beschichtet/lackiert war, ging das brennen nicht so schnell. Zuerst musste sich die Lötspitze, die nun heiss war, zuerst durch diese Schicht arbeiten, bevor sie das Holz brennen konnte und sich das Motiv endlich vor meinen Augen anfing zu komplettieren.

Aus den Anfängen lernte ich schnell, wie ich es besser anstellen und den Lötkolben besser halten konnte. Und damit Ihr nicht mit den selben Sachen kämpfen müsst, habe ich Euch gleich mal einige Tipps und Tricks zusammengetragen:

Tipp 1: Lötkolben nicht zu heiss einstellen, ansonsten lässt sich die Spitze verbiegen, falls es hartes Holz sein sollte.

Tipp 2: Den Lötkolben wie im Benutzerhandbuch beschrieben, «locken». D.h. Ihr fixiert den blauen Knopf und müsst ihn so nicht die gesamte Zeit über gedruckt halten. Es ist sowieso schon etwas herausfordernd, den Kolben anständig zu halten und damit feine Linien zu zeichnen.

Tipp 3: Haltet den Lötkolben unbedingt so, dass das Loch an der Lötspitze, aus dem die heisse Luft herausströmt, nach oben zeigt. Ansonsten verbrennt Ihr Euer Motiv/das Holz, ohne es zu bemerken.

Tipp 4: Für meine filigranen Motive habe ich Spitze 1 und lediglich für den Schriftzug auf dem Servicetablett Nr. 2 verwendet.

Tipp 5: Bei beschichteten Holzgegenständen solltet Ihr zunächst auf der Hinterseite prüfen, ob diese Schutzschicht ein Problem darstellt. Falls ja, könnt Ihr diese ohne Probleme mit einem Schleifpapier abschmiergeln und erst dann zeichnet Ihr das Motiv auf die Unterlage – ansonsten wäre die ganze Arbeit «fürd Füchs» gewesen.

Profi-Brenner?

Gut, die ersten drei Hürden – meine zwei neuen Brettli und das Tablett – waren geschafft. Natürlich gingen mir der zweite und dritte Versuch im wahrsten Sinne wesentlich ringer von der Hand. Ich hatte nun «s Gspüri» für den Lötkolben und konnte feinere Linien zeichnen, auf die Beschaffenheit und Unregelmässigkeiten des Holzes reagieren, kreativer werden. Deswegen stellte ich mich gleich der nächsten Herausforderung: dem Leder brennen.

«just call me up because I will always be there»

Auch hier war zunächst die richtige Technik gefragt, weil das Leder ganz anders reagierte als die Holzbrettchen. Nicht nur war die Unterlage bedeutend kleiner und damit die Figur filigraner und heikler – wenn man so will –, sondern das Leder schmolz regelrecht unter der Einwirkung des heissen Metalls. Sofort betätigte ich den Regulierer am Kolben und schaltete die Temperatur zurück. Gleich darauf ging’s schon viel besser. Und beim Testobjekt (einem Flip-Cover) sind die Spuren des Anfangs unverkennbar eingebrannt.

Vielleicht werde ich mich bald mal an ein nächstes Motiv wagen. Weiss aber noch nicht, was es sein soll. Habt Ihr Vorschläge?

Auf jeden Fall lässt sich eines festhalten: Um wahre Meisterschaft in der Holz- respektive Leder-Brandmalerei zu erlangen, benötigt es Übung, Übung und nochmals Übung – so abgedroschen das auch klingen mag. Dafür gibt es genügend Sprichwörter…

Ohne Fleiß kein Preis – Von nichts kommt nichts – Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – Früh übt sich, wer ein Meister werden will –

… Nichts desto trotz wünsche ich Euch beim Ausprobieren und Kreativsein viel Vergnügen und Spass!

Einkaufsliste

Wie Ihr seht, sind der Fantasie beim Brandmalen keine Grenzen gesetzt. Ich bin gespannt auf Eure gebrannten Exemplare ;-)


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0       Kommentare Geposted von Alexandra Donat

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