Barfüsseln will gelernt sein

IMG_2554_WWBack to the roots oder besser feet! Eigentlich gibt es nichts Einfacheres als das: Schuhe aus, Füsse «montieren» und los geht’s. Wir haben den Selbsttest gewagt und sind den Barfussweg im Appenzell abgeschritten oder besser gewandelt.

Prinzipiell kann man ja überall barfüsseln. Es muss also nicht unbedingt ein extravaganter, dafür geschaffener Barfussweg sein (zur Karte geht’s hier). Trotzdem habe ich mich auf den weiten Weg ins hinterste «Eggli» des urchigen Appenzellerlandes gewagt und meine Schuhe für sage und schreibe fast zwei Stunden im Rucksack verstaut.

Aller Anfang ist leicht

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Die Appenzeller Bahn schlängelt sich durch die Hügellandschaft

Angefangen hat alles noch sehr harmlos in der Appenzeller Bahn. Gemütlich und ruhig tuckerte die kleine Schwester der RhB durch die Hügellandschaft. Der Blick auf das Säntismassiv ist nur schon aus dem Zug heraus atemberaubend und am liebsten wäre ich gleich in Urnäsch umgestiegen und zur Schwägalp. Aber: ich hatte eine Mission. Davon war ich zumindest noch überzeugt, bis ich in Gontenbad ausgestiegen bin und mein Blick suchend umherschweifte. Wo war nur der Wegweiser? Schnell entdeckte ich ihn auf der gegenüberliegenden Seite und stellte mit Schrecken fest, dass ich als allererstes über einen Kiesweg laufen sollte.

«Nichts da», sagte ich mir, «heute wird nicht gekniffen!» Schuhe aus, am Rucksack befestigt und los ging das etwas andere Wellnessprogramm für die Füsse.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Jeder Schritt wurde behutsam gewagt. Bloss nichts überstürzen! Denn jede neue Berührung mit den spitzen Steinchen kam einem Nadelstich gleich. Und parallel bemerkte ich nun bestürzt, dass meine Füsse nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Erinnerungen von tagelangem Barfüsseln und Rennen über heisse Kieswege wallten hoch. Wo ging meine Sensibilität oder besser Hartfüssigkeit flöten? Es muss wohl zwischen den flachsohligen Ballerinas und den wolkigen Sport-Freizeit-Tretern geschehen sein.

Item. Ich gab mein Bestes, um auf festen Sohlen den kurzen Miniaufstieg hochzukommen und leider noch weiter über spitzige Kiesel zu laufen. Schnell wurde ich von meinen anfänglichen Qualen erlöst. Über raues, pieksendes Gras, samtiges Stroh und warme, glatte Holzplanken – plötzlich empfand ich jede Berührung meiner Fusssohlen intensiver – erreichte ich eine erste Zwischenstation mit einem Kneipp-Armbecken und dem «Toobe-Museum». In der kleinen feinen Scheune wurde in kurzen Zügen die Geschichte des Torfabbaus erzählt (Geologie, Fauna, Motorisierung,…).

Unterschätzte Funktion

Während der Wind sanft über die Hügel strich, machte ich einen grossen Bogen ums Schlammstampfen. Alles andere als zügig – ja, es tat halt immer noch weh, sogar wenn ich tief durchatmete. Ich hatte wohl nie zuvor so lange für schlappe fünf Kilometer gebraucht; wohl auch nie so bewusst wahrgenommen, was die Füsse jeden Tag mit jedem Schritt leisten.

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Gwundrige Rinder

Auf dem ganzen Weg kamen mir lediglich zwei Familien – baren Fusses – entgegen. Es war ruhig, die Vögel zwitscherten, das Gras roch herrlich. Geradezu idyllisch – das dachten sich wohl auch die Rinder, die mich beobachteten und sich wohl fragten, weshalb ich mich so vorsichtig vorantastete und mein Gesicht dabei verzog, als hätte ich auf eine Limette gebissen.

Die letzte Prüfung

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Kneippen entspannt die Füsse

Endlich näherte ich mich Jakobsbad. Bevor ich meine gemarterten Füsse jedoch entspannen und abkühlen konnte, standen mir noch ein paar Teerwege, eine Metallgitterbrücke, ein Kneipp-Tretbad und ein «Spiessrutenlauf» bevor. Das kneippsche Ritualbad sorgte wenigstens für eine erste Erholung, die vom Sandweg vertieft wurde. Kaum um die Ecke bot sich mir ein Schreckensanblick: verschiedene Materialien, in Holz gefasst, waren ausgelegt worden.

Mutig und feinfühlig bewältigte ich auch diese Strecke ohne Socken oder Schuhe. Von vertrauten (Fuss-)Gefühlen wie Kies oder Flussbett ging’s noch über Quarzsand, Tannenzapfen, Tannenreisig, Waldboden und Muhl. Endlich in Jakobsbad angelangt musste ich mich auf die nächstbeste Bank setzen.

Ich spürte meine Füsse prickeln und eine wohlige Wärme breitete sich aus – abgesehen von den eher sehr warmen Lufttemperaturen. In kürzester Zeit war ich jedoch wieder auf den Füssen und strebte die Rodelbahn an. Selbstverständlich in Turnschuhen. Das Vergnügen liess ich mir nach dieser «Tortur» natürlich nicht entgehen. :-)

 

Must do

Der Spaziergang war selbstverständlich nicht halb so schlimm, wie es vielleicht klingt. Die Region ist wunderschön, der Muskelkater danach eine Bestätigung, das Freiheitsgefühl an den Füssen – Schweissfüsse ade! – unbeschreiblich und unbezahlbar.

Auf dem Barfussweg darf man seine eigenen Spuren hinterlassen und zeit- und tempolos das (neue) Gefühl geniessen. Also unbedingt ein Erlebnis wert! Macht den Test gleich selbst und schaut, wie sensibel Eure Füsse laufen!IMG_2565

Weitere Tipps und Tricks rund ums Wandern wie auch ums Campen findet Ihr auf unserer Outdoor-Welt: outdoor.brack.ch

 

 


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0       Kommentare Geposted von Alexandra Donat

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