R’ADYS – Ein Balanceakt zwischen Natur und Equipment

Winter, Schnee, Sonne, Wind, Kälte, Eiszapfen, Schneeflocken: Ideale Bedingungen für Wintersportlerinnen und -sportler. Und für die Bekleidung? Wie sollte diese sein, um die Träger warm und geschützt zu halten? Solche Fragen stellte sich Adrian Ruhstaller, Gründer der Schweizer Firma R’ADYS, vor Jahren auch. Was seine Kollektionen auszeichnet, erfahrt Ihr in einer weiteren Folge der Serie: «Schweizer Lieferanten von BRACK.CH».

Nach den beiden traditionsreichen Firmen Trisa und Jura widmen wir uns einem jungen Outdoor-Unternehmen, das es nun seit 13 Jahren gibt und sich in dieser Zeit bereits international einen Namen gemacht hat: R’ADYS. Unter anderem konnte Adi Ruhstaller (daher stammt auch der Name R’ADYS) mit seinem Team grosse Coups landen und erinnert damit etwas an die Geschichte von David und Goliath. Davon möchte ich Euch in dieser Folge gerne berichten.

Technischer Fortschritt aus Nidau

Jährlich setzt die Outdoor-Sport-Branche in Europa ungefähr zehn Milliarden Euro um. Das ist ein riesiger Markt und es benötigt einiges an Durchsetzungsvermögen, um als junges, dynamisches Unternehmen in diesem Feld nicht unterzugehen. Zumal dieses von uns allen bekannten Grössen wie The North Face, Mammut, Schöffel, Salomon und vielen weiteren geformt und dominiert wird.

2004 machte sich Adi Ruhstaller selbständig und sorgt seither im Outdoor-Markt immer wieder für Überraschungen und Fortschritt. Erkundigt man sich über R’ADYS, stösst man rasch auf Sätze wie «first bonded outdoor collection» (dt. erste geklebte Outdoor-Kollektion), «weltweit erstes Verkaufssystem mit 3D-Bodyscanning» und vor allem ein Lob, das es in sich hat: «Erste PFC-freie Kollektion»!

Innovationen bringen Branche weiter: Bonding

Angefangen hat es, als sich Adi Ruhstaller von den grossen Firmen zurückzog, bei denen er zehn Jahre lang Erfahrung gesammelt hatte. Sein vielschichtiges Know-how über Entwicklungs- und Produktionsprozesse in der Bekleidungsindustrie sowie seine langjährige Aktivzeit als Leistungssportler und Mitglied der Schweizer Wintertriathlon-Nationalmannschaft kann er seither auf ideale Weise in die Produktepalette von R’ADYS einfliessen lassen.

Seit 2004 entstehet also am Bielersee hochentwickelte und auf die Bedürfnisse der Outdoor-Sportlerinnen und -Sportler abgestimmte Bekleidung. Das können aber auch andere Hersteller von sich behaupten. Was ist also das Aussergewöhnliche an der kleinen Schweizer Marke mit internationalem Renommee? Die Technologie: So werden die Einzelstücke der jeweiligen Kollektionen nicht durch Nadel und Faden zusammengehalten, sondern durch Kleber.

Stichlose Naht besticht

Die R’Sonic-Technologie beruht auf Bonding und gilt als eines der Alleinstellungsmerkmale von R’ADYS. Dabei werden die Materialien mit einem CAD-Laser zugeschnitten und wasserdicht verschweisst. Weil die Stoffe nicht mit Nadelstichen perforiert werden, entstehen zahlreiche Vorteile wie

  • flache, weiche und elastische Nähte
  • perfekten Sitz
  • niedriges Gewicht durch lediglich 5mm-Überlappung
  • lange Lebensdauer.

Farbe erhalten die Kleidungsstücke mittels Druckverfahren, bei dem ökologische Pigmentfarben verwendet werden.

Bekleidung wird digital

Die Jacken und Hosen, welche in Winter- und Sommerkollektionen auf den Markt kommen, erreichen durch das Verschweissungsverfahren eine hohe Qualität und Lebensdauer. Gleichzeitig wird die Produktepalette bewusst klein gehalten – sie umfasst jeweils 20 Teile –, denn das Augenmerk liegt auf Funktionalität und Innovation. Einen internationalen Namen schuf sich das Unternehmen zum einen mit der R’Sonic-Technologie und zum anderen durch die fortschrittlichen Ansätze im Verkauf.

Als erstes Unternehmen weltweit installierte R’ADYS ein Verkaufssystem mit einem 3D-Bodyscanner (Quelle: azNetz). Damit wurde es möglich, die biometrischen Daten in ein Raster zu bringen und daraus passgenaue Kleider mit bestmöglichem Komfort zu entwerfen. Vor allem die Länge der Hosenbeine wird schnell mal zum Problemchen: Hosen sind mir jeweils nicht zu lang, sondern ich bin zu kurz für die Hosenbeine. Auch auf dieses Bedürfnis ging R’ADYS ein und bietet Hosen mit bis zu drei verschiedenen Längen an.

Zusammen mit diesem Premium-Konzept «my shell» und dem R’ADYS Layer Concept wird den unterschiedlichen Wünschen und Anforderungen Rechnung getragen. Die sogenannte Concept Disk zeigt, wie einfach die Produkte aus dem Sortiment zusammen kombiniert werden können, um während langen Touren oder wilden Rides warm und geschützt zu halten.

Apropos Schutz: Wusstet Ihr, dass R’ADYS seine Produkte PFC-frei hält? Was PFC ist, fragt Ihr jetzt wohl? Polyfluor-Carbon-haltig sind wasserabweisende Ausrüstungen, wobei diese chemische Verbindung toxisch und umweltschädlich ist. Deshalb verzichtet R’ADYS seit 2013/14 auf diese herkömmliche Art der Imprägnation. Zusammen mit der Schweizer Firma HeiQ haben die Berner innerhalb nur eines Jahres ihre gesamte Kollektion auf die Barrier-Eco-Technologie ohne PFC-Stoffe – bluesign® zertifiziert – umgestellt.

Für Adi Ruhstaller eine Selbstverständlichkeit:

«Als ich von HeiQ erfuhr, wie eine Fluor-freie Kollektion ohne Leistungseinbussen* möglich ist, wurde die Entscheidung innerhalb kürzester Zeit getroffen. Ich war mir bewusst, dass dies ein steiler Weg war und eine mutige Entscheidung nötig sein würde – aber genau das ist die DNA von R’ADYS!» (Quelle: HeiQ)

Gelobt wird dieser Schritt unter anderem auch von Greenpeace und spricht R’ADYS eine Vorreiterrolle im Outdoor-Bekleidungssektor zu (Quelle: Greenpeace). Das ist um so beeindruckender, wenn man bedenkt, dass es sich um eine kleine Firma mit rund zehn Mitarbeitenden handelt, die mit ebensolchen Vorstössen die Grossen der Branche überholen.

* Lediglich die Ölabweisung erfährt leichte Einbussen, was jedoch im Einsatzgebiet nicht matchentscheidend ist.

Zu Adi Ruhstaller

Adi Ruhstaller gründete seine eigene Outdoor-Bekleidungsfirma nach rund zehnjähriger Tätigkeit in diesem Bereich. Erfahrungen sammelte er unter anderem als Produktmanager grosser Hersteller alpiner Bekleidung. Heute führt er sein kleines Team und möchte immer einen Schritt weiter denken und gehen: Kleidung sollte nicht nur vor der Natur schützen – Wind und Wetter abhalten –, sondern auch umgekehrt die Natur schützen. Damit ein möglichst sauberes, spassiges Erlebnis draussen gewährleistet wird.

Gut zu wissen: Entwickelt werden die Designs und Technologien alle in Nidau (BE). Rund 50 Prozent der Kollektionen werden in Europa angefertigt und die First Layers aus Merinowolle sind mulesingfrei. Ebenfalls setzt R’ADYS auf bluesign® zertifizierte Stoffe und benutzt für die R’Insulation-Wattierung recyceltes Polyester. Übrigens gibt’s die Sachen von R’ADYS ab der Wintersaison 2017/18 auch in Süddeutschland, Italien und den Benelux-Staaten und seit Dezember 2017 gehört R’ADYS nun zur Grosshandelsfirma Catrade (Quelle: sazSport). Wir dürfen weiterhin auf neue Ideen aus Nidau gespannt sein, denn Adi Ruhstaller ist mit ganzem Herzen bei der Sache:

«Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten.» (Quelle: Outdoor Guide)

 

(Ein)Blick in die Vielseitigkeit

 

R’ADYS in Aktion an der Wand:

Bild anklicken für ganzen Artikel auf kletterszene.com

 

R’ADYS im Sommer:

Infos:

Produkte:

Quellen

– azNetz: Weltneuheit in Wohlen. 3D-Body-Scanner für Outdoor-Bekleidung, 20.10.2010. Online [Stand: 19.12.2017].

– Detox Outdoor: Der Kreislauf von PFC. Online [Stand: 20.12.2017].

– Greenpeace: Hintergrund von Samuel Schlaefli, 08.08.2014. Online [Stand: 20.12.2017].

– NZZ: Ultraschall ersetzt Nähfaden, 23.07.2010. Online [Stand: 20.12.2017].

– Outdoor Guide: Nischenplayer trifft Platzhirsch von Reto Wüthrich, Sommer 2008. Online [Stand: 20.12.2017].

– sazSport: Catrade kauft Schweizer Bergsportmarke R‘adys, 15.12.2017. Online [Stand: 20.12.2017].

Fotos/Abbildung von R’ADYS.


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