Imker aus Leidenschaft

Martin ist bei BRACK.CH teilzeitbeschäftigt, weil er die Familienarbeit mit seiner Frau teilt und nebenbei seiner Leidenschaft, der Imkerei nachgeht. Letzteres sei momentan sehr zeitintensiv, wie er im Interview erklärt.

Martin, du bist bei BRACK.CH als Product Manager «Werkzeug und Haustechnik» angestellt. Was heisst das?
Vor acht Jahren habe ich mich dem Unternehmen angeschlossen, um mitzuhelfen, das Sortiment DoIt und Garten aufzubauen. Mit ein paar wenigen Schraubenziehern begonnen, sind wir heute auf ein Team von fünf Personen angewachsen, die einen beträchtlichen Umsatz für die Firma generieren.

Du bist bei BRACK.CH teilzeitbeschäftigt, weil du eine Leidenschaft hast. Wie sieht dein Alltag aus, wenn du nicht in Mägenwil für uns arbeitest?
Dann bin ich entweder bei meiner Familie oder im Frühling und Sommer auch bei meinen Bienen. Die Tiere hege ich seit fünf Jahren gemeinsam mit einem guten Freund in Fahrwangen. Jetzt, wo alles zu blühen beginnt, wachsen die Bienenvölker innerhalb von zwei Monaten von 15’000 Tieren auf 50’000 an. Unsere Aufgabe ist es, ihnen mit der Pflege der Bienenstöcke eine optimale Situation zu gewährleisten.

Wie viel Honig springt am Ende der Saison für euch raus?
Ein Volk produziert über die Saison zirka 100 kg Honig. Wir nehmen uns etwa 15kg ihres Wintervorrates raus. Dieser Honig wiederum gelangt dann in den Verkauf. Wir haben Platz für bis zu zehn Völker und die Phase zwischen März und Oktober ist sehr intensiv.

Martin hegt und pflegt Bienen seit fünf Jahren gemeinsam mit einem guten Freund in Fahrwangen.

Demnach scheinst du mit deiner aktuellen Work-Life-Balance zufrieden zu sein?
Ja, absolut. Meine Ehefrau hat mir früh bestätigt, dass ich seit der Imkerei viel entspannter und ausgeglichener bin. Das wirkt sich positiv auf mein Privatleben aus. Auch die Zusammenarbeit mit meinem Kollegen ist sehr fruchtbar. Zu Beginn hat man uns nämlich gesagt, dass es mit zwei Imkern niemals klappen könne und wir uns sehr schnell im Streit trennen würden. Dem ist aber nicht so – im Gegenteil. Wir funktionieren wie eine gut geölte Maschine. Wir können uns beraten und absprechen und haben jeweils für die Ferien eine Vertretung. Das ist perfekt so.

Wie bist du darauf gekommen Imker zu werden?
Ich habe schon immer eine Faszination für die Imkerei gehabt. Das Imker-Haus, das wir übernommen haben, ist nämlich über 100 Jahre alt und ich habe es bereits als Kind gekannt. Es ist wohl ein Mix aus Respekt und Interesse gewesen, der diese Faszination ausgemacht hat. Mein Kollege und ich haben immer wieder darüber diskutiert, Imker zu werden.  Irgendwann mal haben wir dann den zweijährigen Imker-Kurs besucht. Genau zu dieser Zeit ist die Doku «More Than Honey» veröffentlicht worden, die einen grossen Boom in der Schweiz ausgelöst hat. Man kann möglicherweise sogar von einem Umdenken reden.

Kannst du das etwas ausführen?
Vielen ist bewusst geworden, dass die Situation der Bienen prekär ist. Imker-Kurse sind nämlich schlagartig ausgebucht gewesen. Auch hat eine leichte Material-Knappheit für Imker geherrscht. Man kann von einem Generationen-Wechsel sprechen. Junge Idealisten haben ältere Imker abgelöst. Auch gendertechnisch hat ein Wandel stattgefunden.

Die Doku  hat vor allem gezeigt, wie schlecht es um unsere Honigbienen steht. Können sie noch selbstständig überleben?
Nein, leider nicht mehr. Eine der heutigen Aufgaben der Imker ist es, die Honigbienen gegen eingeschleppte Milben zu behandeln, die sehr aggressiv sind und virale Krankheiten verbreiten. Vor allem die Varroa-Milbe aus Asien ist ein grosses Problem für die hiesigen Honigbienen. Es ist aber die Summe verschiedener Faktoren wie Pestizide, Monokulturen und weiterem, die den Bienen und auch allen anderen Insekten und Mikroorganismen das Leben schwermachen. Wir können momentan nur die Symptome bekämpfen. Eine heilbringende Lösung ist noch nicht in Aussicht, was eine traurige Tatsache ist.

Wie können wir Verbraucher helfen?
Es hilft schon sehr, dass sich die Menschen bewusst werden, wie es um unsere Bienen steht. Viele haben begonnen, Insekten- oder Bienenhotels im Garten aufzustellen oder Bienenweiden-Saatgut zu säen. Ausserdem ist der Verzicht von Pestiziden im eigenen Garten und das Schaffen von Nahrungsangebot sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

Du hast ja noch eine dritte Leidenschaft. Magst du uns da noch was dazu erzählen?
Ich bin im Seetal aufgewachsen und geniesse viel Zeit auf oder am Hallwilersee. Ich habe vor rund vier Jahren als Leichtmatrose bei der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee angeheuert. Dieser Arbeitsplatz zählt für mich zu den schönsten der Welt. Diese Saison verdiene ich das Matrosengrad ab. Wenn alles klappt, kann ich nächsten Frühling die Ausbildung zum Schiffführer starten und hoffentlich schon bald als Kapitän über den See fahren.


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0       Kommentare Geposted von Ragulan Vivekananthan

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