Ein Weihnachtsgeschenk machte sie zur Profitriathletin

Annen_Jolanda

Ein Weihnachtsgeschenk brachte Jolanda Annen (23) zum Triathlon. Die Schattdorferin kann man als Shootingstar bezeichnen: Innerhalb von kurzer Zeit erzielte sie hervorragende Resultate und stiess in der Weltrangliste letztes Jahr von Platz 128 bis 35 vor. Jolanda hat ihre Ziele klar vor Augen und setzt alles auf die Karte Triathlon.

Wann hast Du das erste Mal an einem Triathlon teilgenommen?

Meinen ersten «richtigen» Triathlon habe ich 2009 bestritten. Unser jetziger Teamchef, Reto Achermann, hat mir einen Startplatz am Sempachersee Triathlon zu Weihnachten geschenkt. Ich habe mit einer Kollegin diesen ersten Versuch gewagt und wir haben noch gesagt, dass es einfach dieser eine Triathlon sein wird. Uns ist es erstaunlich gut gelaufen an jenem Tag und dadurch, dass wir zu zweit waren, machten wir nachher zusammen weiter. Reto hat für uns beide das Credo-Tri Team Schattdorf auf die Beine gestellt.

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In den Vorbereitungen für die olympischen Sommerspielen in Rio

 

Und seit wann betreibst Du den Sport nun professionell?

Von 2009 bis Ende 2012 hatte ich gar keinen Trainer. Bis dahin habe ich alles gemacht, was ich selbst für gut befunden habe. Parallel war ich fleissig im Schwimmclub. 2013 habe ich einen Trainer, Marc-Yvan De Kaenel, hinzugezogen und mit ihm Trainingspläne entworfen. Seit da betreibe ich die Sportart «strukturiert».

Zeitgleich habe ich bei der Arbeit mein Pensum reduziert, und dieses Jahr kann ich mich ganz auf den Sport konzentrieren.

Du hast einen rasanten Aufstieg erlebt…

Genau, es war ziemlich turbulent. (Jolanda schmunzelt)

Hochbauzeichnerin hast Du gelernt – ein strukturierter, zielorientierter Beruf. Hilft Dir diese Denkweise beim Wettkampf?

Ja, klar. Während meiner Ausbildung hatte ich sehr wenig Zeit, vor allem mit der Berufsmatura und dem Sport nebenbei. Damals war es streng. Heute denke ich oft noch an diese Zeit zurück und habe das Gefühl, dass es damals oft stressiger war als jetzt. Es hat mich stark gemacht und ich weiss, weshalb ich trainiere.

Weshalb machst Du Triathlon und nicht nur eine der drei Sportarten?

Es war ja eigentlich umgekehrt. Ich war lange im Schwimmclub, habe an regionalen Wettkämpfen teilgenommen. Als es dann um die Wurst ging, musste ich mich entscheiden: Mache ich etwas ganz anderes oder bleibe ich dabei, kann aber womöglich nicht aufsteigen? Triathlon hingegen hat mich schon immer fasziniert. Ich weiss nicht, woher das kam, bekannt war mir die Sportart lediglich aus dem Fernsehen.

In welcher Sportart siehst Du Deine Stärken?

Letzte Saison war es das Schwimmen, wo ich zum Teil die schnellsten Abschnittszeiten erreichen konnte. Beim Schwimmen und Laufen kommt es stark auf die Konkurrenz und den Rennverlauf an…

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Jolanda konzentriert beim Einlaufen für die Trainingssession in Wallisellen

…dann musst Du mit dem Rennrad am meisten trainieren?

Ja. Das hängt aber von der Etappe und dem Feld ab. Meiner Meinung nach kommt es stärker auf die jeweilige Tagesform an. Wenn man aus der Gruppe herausfällt, ist man sozusagen weg vom Fenster. Es ist viel schwerer, den Anschluss wieder zu finden.

Du scheinst die Herausforderung zu mögen: Wie kamst Du zur Sportler-RS?

Ich wusste, dass die Triathleten diese Ausbildung auch machen, und habe mich kurzfristig mit meinem Trainer beraten und bei der Armee beworben. Es ging sehr schnell. Aber ich kannte ja Leute, die die RS vor mir gemacht hatten. Und es war für mich eine super Gelegenheit. Ich habe gemerkt, was man herausholen kann, wenn man sich hundertprozentig auf den Spitzensport konzentriert.

Und wie ist es als Frau in der RS?

Am Anfang habe ich mir überlegt: Ist das etwas für mich? Deswegen habe ich mit einigen Sportlern gesprochen, die es schon hinter sich hatten. Die fünf Wochen RS habe ich gut überstanden und ich bin sehr froh, dass ich diese Chance erhalten habe, die Spitzensport-RS zu absolvieren. (Jolanda zwinkert uns zu)

Auch im Kader hat es mehr Männer als Frauen: Trainierst Du immer nur mit Männern?

Ich kann von der Teamzusammensetzung nur profitieren. Ich orientiere mich gerne an den Männern; muss dabei aufpassen, dass ich nicht denke, ich müsse unbedingt mit ihnen mithalten. Das Training mit den Jungs ist motivierend.

Trainierst Du anders, da Du nicht mit dem Triathlon aufgewachsen bist?

Ich habe das Gefühl, dass ich viel Neues ausprobieren kann und merke, wie es mich motiviert. Als Kind bin ich nie an diesen Orten und Anlässen gewesen – ich hatte nicht die Möglichkeit. Ich habe das Ganze nicht so viele Male gemacht. Deshalb bereitet es mir auch grossen Spass. Es ist einfach super!

Was ist das Strengste auf dem Weg nach Olympia?

Am schwierigsten ist es, wenn man merkt, dass es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Wenn du dann alleine trainieren musst, ist es hart. Zu Hause mache ich viel alleine. Wobei ich dann in den Trainingslager wieder mit den anderen Sport machen darf. Dieser Ausgleich stimmt so für mich, ich brauche das Einzel- und Gruppentraining gleichermassen.

Wie gehst Du mit dem Druck um, eine Medaillenhoffnung für die Schweiz zu sein?

Als Medaillenhoffnung sehe ich mich noch nicht. Ich tippe schon auf meine Teamkollegin Nicola Spirig. Mein grosses Ziel ist es, überhaupt nach Rio mitgehen zu dürfen.

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Jolanda als unkomplizierte und sympathische Gesprächspartnerin.

Was bedeutet es für Dich, Sponsoren zu haben?

Es ist sehr wichtig für den Triathlon, weil es doch noch eine Randsportart ist. Wir haben nie so viel Medienaufmerksamkeit wie andere Sportarten. Mit der Heim-EM in Genf letztes Jahr konnte der Bekanntheitsgrad jedoch um einiges gesteigert werden.

Ohne Sponsoren könnte ich dem Sport nie so nachgehen, wie es jetzt möglich ist. Seit ich nicht mehr arbeite sowieso – von etwas muss man ja leben. Daneben unterstützen mich meine Eltern auch, indem ich noch zu Hause wohnen kann.

Aber ich glaube auch, dass es ideal war, erst spät mit dem Spitzensport zu beginnen – und geniesse es nun in vollen Zügen!

 

Mehr Infos zu Jolanda findet Ihr auf der Homepage des Tri-Team Schattdorf, des Triathlon Leistungszentrum Wallisellen und wir werden Euch über die Fortschritte und Erfolge von Jolanda Annen, Andrea Salvisberg und dem Schweizer Triathlonteam auf dem Laufenden halten.


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