Warum eine Dashcam?



Vergangenen Montag ist ein schlimmer Unfall auf der Autobahn A1 passiert. Zum Glück wurde niemand verletzt, doch entstand ein erheblicher Sachschaden, als der Arm eines auf einem Lastwagen transportierten Baggers in eine Autobahnüberführung nahe Mägenwil krachte. Es entstand ein monströser Stau, und die 45 Jahre alte Betonbrücke musste sofort mit einem Stahlgerüst gestützt werden. Einen Tag später schickte ein Leser des «Tagesanzeigers» dieses Video ein. Er hatte den Vorfall zufällig mit seiner Dashcam gefilmt. Wir hatten die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

Was ist eigentlich eine Dashcam?
Eine «Dashcam», die ins Auto montiert wird, ist auf den ersten Blick technisch ähnlich ausgestattet wie eine Action- oder Sportkamera (z.B. GoPro, CamOne etc.). Auf den zweiten Blick ist dann doch einiges anders: Die meisten Modelle nehmen in erster Linie ereignisgesteuert auf – der Auslöser kann etwa ein abruptes Bremsmanöver sein – und die Kamera kann nur wenige Minuten am Stück aufzeichnen. Ist die Speicherkarte voll, werden die ältesten Clips verworfen, um Platz für neue Clips zu schaffen. Einige Kameras verfügen zusätzlich über einen 20-Sekunden-Puffer, der bereits die 20 Sekunden vor einer Vollbremse aufnimmt, aber diese nur im Ereignisfall überhaupt speichert. Gleichzeitig werden Geschwindigkeit, GPS-Koordinaten und wirkende Beschleunigungskräfte aufgezeichnet. Ähnlich wie die «Black Box» im Flugzeug soll sie dazu dienen, den Tathergang von Unfällen nachzuvollziehen. Die Videoclips muss sich der Benutzer im Normalfall nie ansehen – ausser es passiert etwas.

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So sieht die Kamera aus, die für das Video verwendet worden ist. Wir haben sie im Sortiment (-> unser Dashcam-Sortiment ansehen). Wir führen Dashcams schon etwa seit Januar 2013. Es sind klar Nischenprodukte, aber sowohl das Sortiment als auch das Interesse der Kunden (und auch Medien, siehe unterster Abschnitt in diesem Blogbeitrag) stieg stetig an. Das bestätigt auch, dass wir anfangs Jahr bereits einen sehr gut laufenden DayDeal mit einer anderen Dashcam hatten. Dieses abgebildete Modell HP F210 war vom einen Tag auf den nächsten ausverkauft. Obiges Video und natürlich die Medienanfragen von Radio Argovia und «10 vor 10» dürften die Verkäufe diese Woche etwas angeschoben haben.

Rechtslage
Der Verkauf dieser Kameras ist selbstverständlich hundertprozentig legal. Es gibt allerdings bestimmte Verwendungsweisen, die in der Schweiz – anders etwa als in Russland, wo mit solchen Videobeweisen gegen Versicherungsbetrug angekämpft wird – noch nicht endgültig geklärt oder datenschutzgesetzlich umstritten sind (vgl. hierzu die Mitteilung des EDÖB oder diesen Bericht des SRF). Hier sind zwei Aspekte zu trennen. Punkto Datenschutz und Aufnahmen in der Öffentlichkeit ergeben sich aber im Prinzip genau dieselben Bedenken wie bei Videokameras, Fotokameras, Handys, Tablets und Spielkonsolen mit eingebauten Kameras. Punkto Gebrauch als Beweismittel vor Gericht ist es so, dass der entsprechende Richter von Fall zu Fall unterscheidet – es kann also auch sein, dass Dashcam-Aufnahmen vor Gericht abgelehnt werden.

Das Interview

Interview mit dem Crash-Video-Filmer
Über E-Mail meldete sich nach der Ausstrahlung des TV-Beitrags der Urheber des Autobahnvideos bei Brack.ch und gratulierte zum Verkaufserfolg mit den Dashcams. Wir haben mit ihm gesprochen.

Brack.ch/dre: Wie kommt es dazu, dass Sie so eine Kamera laufen lassen?
A. (möchte anonym bleiben): Ich habe die Kamera im August 2013 gekauft. Das war gleich nach einem Unfall.

dre: Wie schrecklich, was ist passiert?
A.: Ich wurde abgedrängt von einem anderen Wagen, so dass ich über einen Randstein fahren musste. Zwei Felgen und Pneus natürlich kaputt. Der Täter ist einfach davon gefahren. Ich ihm nach. Da kam es zu einer kleinen Kollision. Nebst allen Unannehmlichkeiten musste ich eine Busse bezahlen, und mir droht der Entzug des Führerausweises. Das Strassenverkehrsamt meinte einfach: «Fahren Sie halt einfach etwas vorsichtiger!». Das ist nicht akzeptabel. Ich muss den ganzen Schaden tragen, der andere kommt unbeschadet davon.

dre: Was frustriert Sie am meisten an diesem Vorfall?
A.: Die Ohnmacht. Und dass mir keiner glaubt. Das ist noch schlimmer als der finanzielle Schaden. 30 Zentimeter weiter, und ich wäre in einen Stahlpfosten gekracht. Das hätte einen Totalschaden bedeutet! Hätte ich damals schon eine Dashcam gehabt, hätte ich jetzt eine bessere Handhabe gegenüber der Versicherung und dem Gericht. Damit hätte man das Geschehen aus Weitwinkelperspektive, und ein Folgeunfall hätte vermieden werden können.

dre: In dieser Sache wünsche ich Ihnen weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen! Kommen wir zum aktuellen Thema – Ihrem Video...
A.: Nach den vielen Medienberichten zum Unfall auf der A1 habe ich das Video dem «Blick» und dem «Tagi» angeboten. Ich habe es sonst nirgendwo hochgeladen, weder auf YouTube noch sonst irgendwo [Anmerkung dre: Das Video ist mittlerweile mehrfach von Drittpersonen auf YouTube hochgeladen worden. Das ist von jedem Laien relativ einfach zu bewerkstelligen und lässt sich nicht verhindern]. Schliesslich entschied ich mich für den Tagesanzeiger, da ich den sowieso täglich lese und er für Leserreporter ein gutes Honorar offeriert hatte. Ich hätte nie erwartet, dass das Echo so gross ist. Nach dem Upload zum «Tagi» musste ich in eine Sitzung. Als ich nach 30 Minuten zurückkam, hatte ich 20 Anrufe auf meinem Telefon. Und später verbreitete sich das Video rasant und kam sogar im Fernsehen. Gemäss Tagi gab es darüber hinaus sogar internationales Feedback.

dre: Können Sie schildern, wie Sie diesen Montagmorgen des 13. Januars erlebt haben?
A.: Ich bin im Verkauf tätig und häufig im Auto unterwegs, mache etwa 25'000 Kilometer im Jahr. Ich habe zwar ein gut motorisiertes Auto, würde mich aber selbst als umsichtigen Fahrer beschreiben, der den gebotenen Sicherheitsabstand einhält. An diesem Morgen wollte ich gerade ins Geschäft fahren.
Und da sehe ich, was mit der Brücke passiert, und trete voll auf die Klötze. Erst einmal habe ich eine Art Schock und frage mich: «Was ist da passiert?». Erst jetzt realisiere ich, dass alle hinter mir auch gut bremsen konnten und gut reagiert haben. Nachher sitze ich im Auto und denke: «Was mache ich jetzt?». Ich bin nervös, als ich die Einsatzzentrale Aargau der Polizei anrufe. Noch während ich am Telefon bin, trifft bereits ein ziviles Einsatzfahrzeug ein. Die Beamten kümmern sich um die Menschen – zum Glück ist niemand verletzt. Die Polizei weist mich an, zum Werkhof Aarau Ost zu fahren. Dort übergebe ich das Video aus der Dashcam den Polizisten.

dre: Wie war es am Abend, wieder ins Auto zu steigen?
A.: Bin extra spät losgefahren, haute den Tempomat rein. Ich hatte kein mulmiges Gefühl. War verwundert, dass keine Sperrung mehr war, als ich bei der mittlerweile durch ein Gerüst gesicherten Brücke durchfuhr.

dre: Was für weitere Erfahrungen haben Sie mit ihrer Dashcam gemacht? Wie nutzen Sie sie?
A.: Das war das erste Mal, dass die Kamera nützlich war. In der Regel passiert ja nichts, solange alle möglichst vernünftig fahren und an ihre eigene Verantwortung denken. Solche Kameras sind dazu da, Unfallhergänge nachzuvollziehen, wenn wirklich einmal etwas passiert. Viele wissen nicht, dass diese Kameras nicht nur Videobilder, sondern auch GPS-Koordinaten, Geschwindigkeit und G-Kräfte aufzeichnen. All das soll die Glaubwürdigkeit unterstützen und mich absichern. Klar sieht man manchmal brenzlige oder heikle Situationen auf der Strasse. Mir geht es aber nicht darum, Polizist zu spielen und Verkehrsrowdys zu denunzieren. Es obliegt mir nicht, aktiv zu werden. Deshalb werde ich auch nie solche Videos auf YouTube hochladen oder unaufgefordert der Polizei zuspielen. 

dre: Wurden Sie schon einmal von offizieller Seite her aufgefordert, die Kamera auszumachen?
A.: Sehen Sie, ich fahre häufig über die Grenze. Auch am Zoll hat noch nie jemand gesagt «Schalten Sie die Kamera ab!». Ausserdem kenne ich einen Polizisten, der sich selbst so eine Kamera gekauft und dafür seine Rechtsschutzversicherung gekündigt hat.

dre: Noch eine letzte Frage: Kennen Sie Brack.ch?
A.: Ich kenne sowohl Brack.ch, DayDeal.ch und Alltron seit vielen Jahren sehr gut. 

dre: Besten Dank fürs Gespräch und allzeit sichere Fahrt!

Medienanfragen

Wir werden seit Februar 2013 immer wieder von verschiedenen Medien zu diesem Thema befragt. Auf Storify haben wir sämtliche Geschehnisse in diesem Zusammenhang nachzuvollziehen versucht.

Disclaimer: Brack.ch liegt es fern, aus dem Leid und Schaden anderer Kapital zu schlagen. Wir haben Dashcams im Verhältnis zum restlichen, über 50'000 Produkte umfassenden Sortiment die letzten Monate nicht übermässig beworben. Die meisten Modelle sind auch bei diversen anderen Schweizer Online-Händlern erhältlich.

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1       Kommentar Geposted von Daniel Rei

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1 bezieht sich auf "Warum eine Dashcam?"

  • Roger Hausmann says: